Einstieg: Lagerist oder Fachkraft für Lagerlogistik?
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In einem Getränkefachgroßhandel wird der neue Azubi von einem Kunden gefragt, was er denn lerne. „Fachkraft für Lagerlogistik“, sagt er. Der Kunde lacht: „Also Lagerist. Früher hieß das einfach so.“ Am Abend überlegt der Azubi, ob der Kunde recht hat.
Aufgabe: Was steckt hinter dem Wort Logistik, und was unterscheidet die Arbeit heute von reinem Ein- und Auslagern?
Lösung:
Der Begriff ist nicht neu, er stammt aus dem militärischen Nachschubwesen. Neu ist, dass Unternehmen ihn seit einigen Jahrzehnten für sich nutzen.
Logistik bedeutet mehr als lagern: planen, ausführen und kontrollieren. Dazu gehören Bestände disponieren, Touren und Personal einteilen, Kennzahlen auswerten und Abläufe verbessern.
Die Arbeit hängt an einer Kette, die weit über die Hallentore hinausreicht, vom Lieferanten bis zum Endkunden. Ein Fehler im Lager wird am anderen Ende sichtbar.
Dass Logistik nicht auf Betriebe beschränkt ist, zeigt der Schulbusverkehr am Morgen: begrenzte Fahrzeuge, feste Zeitfenster, verteilte Ziele, und eine Verspätung wirkt sich auf alle folgenden Fahrten aus. Im Betrieb kommen nur Verträge, Kosten und Kunden dazu.
Logistik ist kein Modewort für Lagerarbeit: Sie plant, führt aus und kontrolliert, damit Güter und Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
Woher der Begriff Logistik kommt
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Das Wort ist deutlich älter als die Branche. Zwei Herleitungen sind gebräuchlich, und sie widersprechen sich nicht:
das griechischelogistikē für „praktische Rechenkunst“ (das Berechnen und Planen)
das französischeloger für „unterbringen, versorgen“. Der maréchal des logis war im Heer für Quartier und Nachschub zuständig.
Beide Wurzeln stecken bis heute im Fach: rechnen und versorgen.
Was das Wort jeweils bezeichnete
Nützlicher als eine Jahreszahlenreihe ist die Frage, worauf sich der Begriff jeweils bezog. Er ist dreimal deutlich weiter geworden:
Der Begriff meinte …
Reichweite
Wer ihn benutzte
Nachschub für die Truppe: Waffen, Munition, Kleidung, Verpflegung, Personal
eine Armee im Feld
Militär; als eigenständige Lehre beschrieben durch den Militärtheoretiker Antoine-Henri Jomini (1838)
Verteilung fertiger Ware an Kunden, also Verkauf und Versand
ein Unternehmensbereich
zuerst die US-Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg, in Deutschland die Wirtschaft ab den Siebzigerjahren
der gesamte Fluss von Gütern und Informationen durch den Betrieb
das ganze Unternehmen
seit den Achtziger- und Neunzigerjahren; Speditionen nennen sich seither Logistikunternehmen
die Kette über die Unternehmensgrenze hinweg
alle Partner vom Rohstoff bis zum Endkunden
heute meist unter dem Namen Supply Chain Management
Warum der Begriff heute unscharf ist
Jede dieser Stufen wird weiterhin verwendet. Wer „Logistik“ sagt, kann den Fahrer meinen, die Abteilung, den Warenfluss oder die ganze Lieferkette. Eine einheitliche, allgemein anerkannte Definition gibt es deshalb nicht, und beim Lesen von Stellenanzeigen, Verträgen und Prüfungsaufgaben lohnt es sich zu klären, welche Stufe gemeint ist.
Beispiel: Zwei Betriebe suchen einen „Logistikleiter“. Im einen führt er 15 Leute im Lager, im anderen verantwortet er Beschaffung, Bestände, Transport und die Abstimmung mit den Lieferanten, ohne einen einzigen eigenen Mitarbeiter im Lager. Derselbe Titel, zwei verschiedene Stufen des Begriffs.
Logistik kommt aus dem militärischen Nachschubwesen. Der Begriff wurde in vier Stufen immer weiter: vom Nachschub über die Verteilung und den Warenfluss bis zur ganzen Lieferkette.
Logistik: die Definition
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Weil der Begriff so weit geworden ist, hat jede Fachrichtung ihre eigene Definition. Drei werden in Deutschland regelmäßig zitiert:
Quelle
Kern der Definition
Reinhardt Jünemann (1989), einer der Begründer des Fachs in Deutschland
Planung, Steuerung und Überwachung der Material-, Personen-, Energie- und Informationsflüsse in einem System
Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP), USA
als Teil des Supply Chain Management: Planen, Umsetzen und Steuern des effizienten, effektiven Vorwärts- und Rückflusses und der Lagerung von Gütern, Dienstleistungen und zugehörigen Informationen zwischen Ursprung und Verbrauch, um die Anforderungen der Kunden zu erfüllen
gängige Lehrbuchfassung für die Lagerlogistik
alle Maßnahmen rund um Beschaffung, Lagerung und Transport von Materialien, Zwischen- und Fertigprodukten
Alle drei enthalten dieselben zwei Bestandteile: eine Tätigkeit (planen, steuern, überwachen) und ein Objekt (was fließt). Sie unterscheiden sich nur darin, wie weit sie das Objekt fassen.
Die Arbeitsdefinition für dieses Lernfeld
Definition: Für die Lagerlogistik wird das Objekt auf Güter begrenzt. Logistik heißt dann: Beschaffung, Lagerung und Transport von Materialien, Zwischen- und Fertigprodukten planen, ausführen und kontrollieren.
Warum alle drei Tätigkeiten zusammengehören
Tätigkeit
Beispiele im Lageralltag
Was fehlt, wenn sie fehlt
planen
Personaleinsatz für die Frühschicht, Zeitfenster für Anlieferungen, Platzvergabe im Regal
Der Betrieb reagiert nur noch, statt vorauszudenken.
Inventur, Liefertermintreue, Fehlerquote in der Kommissionierung
Fehlentwicklungen fallen erst auf, wenn sie Geld gekostet haben.
Beispiel: Ein Baustoffhändler hat den Eindruck, die Samstagslieferungen kämen oft zu spät. Ohne Messung bleibt das ein Gefühl, über das sich streiten lässt. Mit einer gemessenen Termintreue von 71 % wird daraus eine Zahl, über die man mit dem Frachtführer verhandeln kann. Das ist der Wert des dritten Schritts.
Jede Logistikdefinition besteht aus einer Tätigkeit und einem Objekt. Für die Lagerlogistik heißt das: Beschaffung, Lagerung und Transport planen, ausführen und kontrollieren.
Die sechs „R“ der Logistik
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Die Aufgabe der Logistik lässt sich in sechs Bedingungen fassen. Jede beginnt mit einem „R“, abgeleitet vom englischen right (richtig). Zurück geht die Aufzählung auf den amerikanischen Betriebswirt E. Grosvenor Plowman, der sie in den 1960er-Jahren als „Rights of Logistics“ formulierte.
Drei Fragen, sechs Bedingungen
Frage an die Lieferung
Das richtige …
bedeutet im Lager
Was geht raus?
Objekt (Gut)
der bestellte Artikel, nicht ein ähnlicher
Was geht raus?
Menge
genau die georderte Stückzahl, nicht eine Lage mehr
Was geht raus?
Qualität
unbeschädigt, ausreichend haltbar, vollständig
Wann und wohin?
Zeit
zum zugesagten Termin (zu früh ist ebenfalls ein Fehler, wenn der Empfänger keinen Platz hat)
Wann und wohin?
Ort
genau die vereinbarte Übergabestelle, also Rampe, Baustelle, Montageplatz oder Verbrauchsort
Zu welchem Preis?
Kosten
so günstig wie möglich bei unveränderter Leistung
Die sechs Bedingungen gelten gleichzeitig. Sie lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen: Fünf erfüllte „R“ ergeben keine Teilleistung, sondern eine Reklamation.
Das siebte R
Häufig wird ein siebtes ergänzt: die richtige Information. Plowman selbst zählte ebenfalls sieben, bei ihm war das siebte allerdings der richtige Kunde. Ohne Lieferschein, Buchung und Sendungsverfolgung ist die Ware zwar da, aber niemand weiß es, und im System existiert sie nicht.
Beispiel: Eine Palette Fliesenkleber erreicht die Baustelle pünktlich, vollständig und unbeschädigt, aber an das falsche Tor eines weitläufigen Geländes. Fünf der sechs R stimmen. Die Kolonne wartet trotzdem, und der Fahrer sucht eine Stunde.
Die sechs R: das richtige Gut, in richtiger Menge und Qualität, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, zu richtigen Kosten. Sie gelten alle gleichzeitig.
Logistik als betriebliche Dienstleistung
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In den meisten Unternehmen wird Logistik nicht verkauft, sondern für die eigenen Bereiche erbracht: für Fertigung, Einkauf oder Vertrieb. Sie ist damit eine innerbetriebliche Dienstleistung.
Der Unterschied zu einer verkauften Leistung
Wer eine Leistung verkauft, schreibt dafür eine Rechnung. Der Erfolg steht anschließend im Umsatz. Bei einer innerbetrieblichen Leistung gibt es diese Rechnung nicht: Die Logistik taucht in der Gewinn- und Verlustrechnung nur auf der Kostenseite auf.
Daraus folgt etwas Unangenehmes und etwas Nützliches:
Unangenehm: Gute Logistikarbeit ist unsichtbar. Auffällig wird sie erst, wenn etwas fehlt oder zu spät kommt.
Nützlich: Jeder eingesparte Euro landet vollständig im Gewinn. Beim Verkauf müsste dafür ein Vielfaches an Umsatz zusätzlich hereinkommen, weil davon erst Einkauf, Löhne und alle übrigen Kosten abgehen.
Genau das macht die zweite Formel sichtbar. Sie ist das stärkste Argument, mit dem sich im Betrieb eine Verbesserung begründen lässt.
Formeln
Ersparnis = Anzahl Aufträge · Kostensenkung je AuftragErsparnis=Anzahl Aufträge·Kostensenkung je Auftrag
Die zweite Formel zeigt, wie viel mehr Umsatz nötig wäre, um denselben Gewinn zu erzielen.
Beispiel: Ein Großhändler senkt die Kommissionierkosten je Auftrag von 4,20 € auf 3,60 €. Bei 38 000 Aufträgen im Jahr:
Ersparnis = 38 000 · 0,60 € = 22 800 € im Jahr
Dieselbe Wirkung auf den Gewinn hätte bei 5 % Umsatzrendite ein zusätzlicher Umsatz von 456 000 €.
Logistik erscheint nur auf der Kostenseite. Dafür wirkt jeder gesparte Euro voll auf den Gewinn. Ein Mehrumsatz müsste um ein Vielfaches höher sein.
Die Logistikbereiche im Überblick
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Güter fließen durch ein Unternehmen: eingekauft, gelagert, gefertigt, transportiert, verkauft. Entlang dieses Flusses haben sich eigene Logistikbereiche gebildet. In Prüfungen und im Betrieb werden sie ständig verwechselt. Deshalb ist hier nicht entscheidend, was ein Bereich alles tut, sondern wo er anfängt und wo er aufhört.
Bereiche entlang des Güterflusses
Sie lösen einander ab. Der eine übergibt, der nächste übernimmt.
Bereich
beginnt
endet
Beschaffungslogistik
beim erkannten Bedarf
mit der angenommenen Ware am Wareneingang
Lagerlogistik
mit der Einlagerung
mit der Bereitstellung für Fertigung oder Versand
Produktionslogistik
mit der Bereitstellung an der Maschine
mit dem fertigen Erzeugnis
Distributionslogistik
am Warenausgang
mit der Übergabe beim Empfänger
Bereiche, die quer dazu liegen
Sie begleiten den ganzen Fluss oder laufen ihm entgegen. Deshalb lassen sie sich nicht an einer Stelle der Kette festmachen.
Bereich
Richtung
wofür er sorgt
Transportlogistik
verbindet alle Stationen
dass zwischen zwei Punkten überhaupt etwas ankommt, im Haus wie außerhalb
Instandhaltungslogistik
begleitend
dass Anlagen, Fördermittel und Ersatzteile den Fluss nicht stoppen
Informationslogistik
begleitend
dass zu jeder Warenbewegung die passende Buchung existiert
Entsorgungslogistik
entgegengesetzt
dass Abfälle, Verpackungen und Rückläufer wieder aus dem Betrieb herausfinden
Warum die Abgrenzung praktisch wichtig ist
An jeder Übergabe kann etwas liegen bleiben, weil sich beide Seiten für unzuständig halten. Genau dort entstehen die typischen Reibungsverluste: Wer klärt eine falsche Verpackungseinheit, der Wareneingang oder der Einkauf? Wer räumt das Leergut aus der Fertigung, die Produktionslogistik oder die Entsorgungslogistik?
Beispiel: Ein Hersteller von Gartenmöbeln bekommt Schrauben zwei Tage später als geplant. Die Montage steht (Produktionslogistik), fertige Möbel fehlen im Lager (Lagerlogistik), der Handel bekommt seine Ware zu spät (Distributionslogistik) und bestellt im nächsten Jahr beim Wettbewerber. Verursacht wurde alles in der Beschaffungslogistik, gespürt wird es überall sonst.
Die Bereiche entlang des Güterflusses lösen einander ab, Transport, Instandhaltung, Information und Entsorgung laufen quer dazu. Die Probleme entstehen an den Übergaben.
Beschaffungslogistik
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Die Beschaffungslogistik überbrückt die Strecke vom erkannten Bedarf bis zur angenommenen Ware. Alles, was ein Betrieb von außen braucht, läuft durch sie hindurch: Rohstoffe, Handelsware, Betriebsstoffe, Verpackungsmaterial, auch Energie.
Ihr Maßstab ist nicht der niedrigste Einkaufspreis, sondern die Versorgungssicherheit zu vertretbaren Kosten. Ein um zwei Cent günstigerer Lieferant, der zweimal im Jahr nicht liefert, ist der teurere.
Typische Aufgaben
Bedarf ermitteln und Bestellmengen festlegen
Lieferanten auswählen und bewerten
Termine überwachen und Lieferanten mahnen
Wareneingang planen, Zeitfenster für Lkw vergeben
Transportwege vom Lieferanten organisieren
Schnittstelle zum Lager
Wer im Wareneingang arbeitet, merkt Fehler der Beschaffung sofort: zu viele Anlieferungen gleichzeitig, fehlende Avise, falsche Verpackungseinheiten. Umgekehrt braucht die Beschaffung Rückmeldungen aus dem Lager über Bestände, Reklamationen und Lieferantentreue.
Beispiel: Ein Betrieb bestellt Schrauben in 25-kg-Kartons, im Lager werden sie aber in Kleinladungsträgern zu 5 kg gebraucht. Jede Anlieferung verursacht Umpackarbeit. Die Lösung liegt nicht im Lager, sondern in der Beschaffung: eine andere Verpackungseinheit vereinbaren.
Die Beschaffungslogistik sichert die Versorgung des Betriebs, von der Bedarfsermittlung bis zur Anlieferung.
Lagerlogistik
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Die Lagerlogistik übernimmt die angenommene Ware vom Wareneingang und gibt sie an die Fertigung oder den Versand weiter. Dazwischen liegt ihre eigentliche Aufgabe: Zeit überbrücken. Ein Lager gleicht aus, dass eingekauft, produziert und verkauft wird, nur nie im selben Takt.
Sie ist das Arbeitsfeld der Fachkraft für Lagerlogistik und lässt sich an drei Entscheidungen festmachen.
Wo lagern wir? Standortwahl, Zentral- oder Dezentrallager, Lage zu Kunden und Verkehrswegen
Wie organisieren wir? Platzvergabe, Zonen, Kommissionierverfahren, Inventurverfahren
Dazu kommen die klassischen Lagerfunktionen: sichern, ausgleichen, umformen, veredeln und spekulieren.
Beispiel: Ein Versandhandel stellt von Festplatzsystem auf chaotische Lagerung um. Die Lagerlogistik entscheidet dabei über das Lagerverwaltungssystem, die Zonen für Schnelldreher, die Etikettierung der Plätze und die Schulung der Mitarbeiter. Technik allein reicht nicht.
Lagerlogistik heißt: die richtige Technik am richtigen Standort mit einer Organisation, die im Alltag funktioniert.
Produktionslogistik
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Die Produktionslogistik beginnt dort, wo das Lager endet: an der Maschine oder am Montageplatz. Sie führt das Material dorthin, steuert den Weg zwischen den Fertigungsstufen und übergibt das fertige Erzeugnis wieder ans Lager oder direkt an den Versand.
Ihr Grundproblem ist ein Widerspruch: Große Puffer an jeder Station machen die Fertigung störungssicher und gleichzeitig langsam, unübersichtlich und teuer.
Aufgaben
Bereitstellung nach Bedarf der Fertigung, oft zeitgenau
Steuerung der Reihenfolge und Losgrößen
Puffer zwischen den Fertigungsstufen planen
Entsorgung von Verschnitt und Leergut aus der Fertigung
Bereitstellungsverfahren wie Kanban und das Just-in-time-Prinzip stammen aus diesem Bereich. Sie werden in Lernfeld 11 „Güter beschaffen“ genauer behandelt.
Beispiel: In einer Möbelmontage stehen an jedem Arbeitsplatz zwei Behälter mit Beschlägen. Ist der erste leer, geht die Karte ans Lager, der Nachschub kommt, während aus dem zweiten weitergearbeitet wird. Das Lager liefert nicht nach Plan, sondern nach Verbrauch.
Produktionslogistik versorgt die Fertigung mit Material: zeitgenau, in der richtigen Reihenfolge und mit möglichst kleinen Puffern.
Transportlogistik
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Die Transportlogistik ist der Bereich, der die anderen verbindet. Überall dort, wo Ware von einem Punkt zum nächsten muss, ist sie zuständig, auf 20 Metern in der Halle genauso wie auf 900 Kilometern über die Autobahn.
Transporte verursachen Kosten, ohne den Wert der Ware zu erhöhen. Deshalb gilt: so wenig Transport wie möglich, so viel wie nötig. Jede vermiedene Fahrt spart Zeit, Energie und Unfallrisiko.
Beispiel: Im Wareneingang eines Betriebs wird jede Palette zuerst in eine Pufferzone und erst zwei Stunden später ins Regal gefahren. Werden Prüfung und Einlagerung zusammengelegt, entfällt ein kompletter innerbetrieblicher Transport je Palette.
Transportlogistik plant Wege innerhalb und außerhalb des Betriebs. Der beste Transport ist der, den man einspart.
Distributionslogistik
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Die Distributionslogistik führt die letzte Strecke: vom Warenausgang bis zur Übergabe beim Empfänger. Sie ist der einzige Logistikbereich, den der Kunde unmittelbar erlebt, und deshalb derjenige, an dem er den ganzen Betrieb misst.
Sie entscheidet damit direkt über das, was der Kunde wahrnimmt: Lieferzeit, Liefertreue und Zustand der Ware.
Beispiel: Ein Hersteller beliefert ganz Deutschland aus einem Zentrallager in Kassel. Neu kommt ein Regionallager in Hamburg dazu. Die Lieferzeit im Norden sinkt von zwei Tagen auf einen, dafür steigen Bestände und Lagerkosten. Die Distributionslogistik muss beides gegeneinander abwägen.
Distributionslogistik bringt die Ware zum Kunden. Lieferzeit und Liefertreue entstehen hier.
Entsorgungslogistik
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Die Entsorgungslogistik ist der einzige Bereich, der gegen die Flussrichtung arbeitet: Sie holt aus dem Betrieb heraus, was nicht mehr gebraucht wird. Fachlich zählt sie deshalb zur Rückführungs- oder Redistributionslogistik, zu der auch Retouren, Leergut und Mehrwegladungsträger gehören.
Ihre zwei Ziele stehen nicht im Widerspruch, sondern hängen zusammen: umweltgerecht und kostengünstig. Wer sauber trennt, erfüllt beides zugleich.
Entscheidend ist die Trennung direkt an der Quelle: Was im Warenausgang schon getrennt wird, muss später niemand sortieren. Sortenreine Wertstoffe bringen zudem oft Erlöse statt Kosten.
Beispiel: Ein Betrieb stellt Ballenpressen an den Packplätzen auf. Die Kartonagen werden gepresst und als sortenreines Altpapier verkauft. Statt Entsorgungskosten entstehen Einnahmen, und die Abholung ist seltener nötig.
Entsorgungslogistik führt Abfälle und Verpackungen zurück. Getrennt gesammelt sind sie Wertstoff, gemischt sind sie Kostenfaktor.
Instandhaltungslogistik
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Die Instandhaltungslogistik bewegt keine Kundenware, sondern hält die Mittel einsatzbereit, mit denen Kundenware bewegt wird: Stapler, Regalbediengeräte, Förderanlagen, Tore, Waagen, Scanner. Dazu gehört auch die Versorgung mit Ersatzteilen.
Die Fachbegriffe stammen aus der DIN 31051, die Instandhaltung in vier Grundmaßnahmen gliedert.
Die vier Grundmaßnahmen nach DIN 31051
Wartung: planmäßig, nach Stunden oder Intervallen, zum Beispiel Staplerwartung
Inspektion: Zustand prüfen, etwa die jährliche Prüfung von Regalen und Flurförderzeugen
Instandsetzung: Reparatur nach einem Fehler oder Ausfall
Verbesserung: Schwachstellen dauerhaft beseitigen
Für das Lager heißt das vor allem: Ersatzteile bevorraten. Ein Ersatzteil im Regal kostet Kapitalbindung, ein fehlendes Ersatzteil kostet Stillstand.
Beispiel: Ein Schmalgangstapler fällt aus. Mit Ersatzteil im Haus steht er zwei Stunden, ohne Ersatzteil drei Tage. In dieser Zeit ist ein ganzer Gang nicht bedienbar. Der Wert des bevorrateten Teils entscheidet sich also nicht am Einkaufspreis, sondern an den Stillstandskosten.
Instandhaltungslogistik hält Anlagen und Fördermittel betriebsbereit: warten, prüfen, reparieren, verbessern und Ersatzteile vorhalten.
Informationslogistik
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Die Informationslogistik begleitet jede einzelne Warenbewegung mit ihrem Zwilling aus Daten. Ohne Buchung steht die Palette zwar im Regal, ist aber für den Verkauf nicht vorhanden, und was das System nicht kennt, kann niemand verkaufen, disponieren oder inventarisieren.
Sie reicht dabei über den eigenen Betrieb hinaus: Lieferavis, Sendungsstatus und Bestandsmeldungen laufen zu Kunden und Lieferanten.
Typische Träger von Informationen
Barcode und RFID an Ware und Lagerplatz
Handscanner, Staplerterminal, Datenbrille
Lagerverwaltungssystem und Warenwirtschaft
Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten, etwa Lieferavis und Sendungsstatus
Anforderungen an gute Informationen
aktuell: Buchung sofort, nicht am Schichtende
richtig: gescannt statt getippt
vollständig: Menge, Charge, Platz, Zeitpunkt
verfügbar: für alle, die sie brauchen
Beispiel: Ein Kunde fragt nach seiner Sendung. Ist der Verladescan erfolgt, sieht der Innendienst Lkw, Uhrzeit und Ziel in Sekunden. Fehlt der Scan, beginnt die Suche auf dem Hof.
Jede Warenbewegung braucht ihre Buchung. Fehlt die Information, existiert die Ware für den Betrieb nicht.
Intralogistik
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Intralogistik ist der Sammelbegriff für alle Material-, Waren- und Informationsflüsse innerhalb des Betriebsgeländes. Sie beginnt am Tor und endet am Tor.
Was dazugehört
Entladen, Wareneingang, Einlagern
innerbetrieblicher Transport mit Stapler, Routenzug, Förderanlage oder fahrerlosem Transportsystem
Kommissionieren, Verpacken, Bereitstellen
Steuerung durch Lagerverwaltungs- und Staplerleitsysteme
Der Begriff ist relativ neu. Er hat sich durchgesetzt, weil die Technik im Inneren der Betriebe immer anspruchsvoller wurde und sich eine eigene Branche mit Anlagenbauern und Softwareanbietern gebildet hat.
Beispiel: Zwei Betriebe liefern an dieselben Kunden. Der eine bewegt jede Palette fünfmal zwischen Tor und Verladung, der andere dreimal. Beim zweiten ist die Intralogistik besser geplant. Nach außen sieht man davon nichts, in den Kosten je Sendung sehr wohl.
Intralogistik ist der gesamte Material- und Warenfluss innerhalb des Betriebsgeländes.
Logistik als Linienfunktion
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Ob ein Betrieb überhaupt eine Logistikabteilung braucht, entscheidet sich an einer einzigen Frage: Wird oft genug zwischen Bereichen entschieden, dass sich eine eigene Stelle dafür lohnt? In kleinen Betrieben lautet die Antwort meist nein. Dort erledigt jeder Bereich seine logistischen Aufgaben selbst, der Einkauf disponiert, das Lager lagert, der Vertrieb versendet.
Lautet die Antwort ja, gibt es drei Bauformen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel die Logistik anordnen darf. Die erste ist die Linienfunktion: Hier darf sie am meisten.
Aufbau
Die Logistik steht als eigene Abteilung neben Einkauf, Produktion und Verkauf und ist direkt der Unternehmensleitung unterstellt. Sie hat eigene Mitarbeiter, ein eigenes Budget und Weisungsbefugnis für ihren Bereich.
Vorteile
Nachteile
klare Zuständigkeit und Verantwortung
Abteilungsdenken, Konkurrenz zu anderen Bereichen
Logistik wird bei Entscheidungen gehört
lange Dienstwege bei bereichsübergreifenden Themen
eigene Ziele und Kennzahlen
Doppelarbeit, wenn andere Bereiche eigene Logistik betreiben
Beispiel: In einem Handelsunternehmen mit 300 Mitarbeitern führt der Logistikleiter Wareneingang, Lager, Kommissionierung und Versand. Er sitzt in der Leitungsrunde und kann Personal und Technik selbst einplanen.
In der Linienfunktion ist die Logistik eine eigene Abteilung mit eigener Weisungsbefugnis.
Logistik als Stabsfunktion
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Als Stabsstelle hängt die Logistik seitlich an der Unternehmensleitung. Sie berät, plant und bereitet Entscheidungen vor, hat aber keine Weisungsbefugnis gegenüber den Abteilungen.
Vorteile
Nachteile
bereichsübergreifende Sicht auf den ganzen Güterfluss
kann nichts anordnen, nur vorschlagen
entlastet die Leitung mit Fachwissen
Vorschläge laufen ins Leere, wenn die Leitung sie nicht durchsetzt
keine zusätzliche Hierarchieebene in der Linie
Konflikte zwischen Stab und Linie
Beispiel: Eine Logistikreferentin analysiert die Durchlaufzeiten vom Wareneingang bis zur Einlagerung und schlägt eine neue Zonenaufteilung vor. Umsetzen muss es der Lagerleiter. Überzeugt er sich nicht, passiert nichts.
Die Stabsstelle Logistik plant und berät für den gesamten Betrieb, kann aber selbst nichts anweisen.
Logistik als Matrixfunktion
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In der Matrixorganisation wird das Unternehmen doppelt gegliedert: senkrecht nach Abteilungen wie Einkauf, Produktion und Verkauf, waagerecht nach Querschnittsfunktionen wie Logistik oder Qualitätssicherung. An den Kreuzungspunkten arbeiten beide zusammen.
Mitarbeiter haben dadurch zwei Vorgesetzte: den Abteilungsleiter und den Leiter der Querschnittsfunktion.
Vorteile
Nachteile
Logistik wirkt in allen Bereichen mit
zwei Vorgesetzte, mögliche widersprüchliche Anweisungen
Fachwissen wird gebündelt und überall genutzt
höherer Abstimmungsaufwand
Probleme werden dort gelöst, wo sie entstehen
unklare Verantwortung, wenn etwas schiefgeht
Beispiel: Der Logistikkoordinator für den Bereich Produktion sitzt in der Fertigung, ist fachlich aber an die Logistikleitung angebunden. Bei einem Engpass entscheidet er mit dem Produktionsleiter gemeinsam: Beide müssen sich einig werden.
In der Matrixorganisation arbeitet die Logistik quer zu allen Abteilungen. Das bringt Nähe zum Geschehen, aber doppelte Führung.
Kontraktlogistik
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Für manche Unternehmen ist Logistik nicht Hilfsfunktion, sondern Geschäftszweck. Übernimmt ein Logistikdienstleister dauerhaft und vertraglich geregelt logistische Aufgaben eines Kunden, spricht man von Kontraktlogistik.
Was sie von einem normalen Auftrag unterscheidet
Eine einzelne Fahrt oder eine Palette Lagerung ist noch keine Kontraktlogistik. Drei Merkmale müssen zusammenkommen:
Dauer: mehrere Jahre statt Auftrag für Auftrag, häufig drei bis fünf, weil der Dienstleister investieren muss
Bündel: mehrere Leistungen aus einer Hand statt einer einzelnen
Zuschnitt: eine auf diesen einen Kunden zugeschnittene Lösung, nicht ein Standardangebot von der Preisliste
Weil der Dienstleister eigens Fläche, Technik und Personal aufbaut, trägt er ein Risiko, das er ohne feste Laufzeit nicht eingehen würde. Deshalb der Name: Ohne Kontrakt keine Kontraktlogistik.
Was der Vertrag regeln muss
Ein Kontrakt über mehrere Jahre ist mehr als ein Preis. In der Praxis stehen mindestens diese Punkte darin:
Regelungsbereich
typische Frage
Leistungsumfang
Welche Tätigkeiten genau und welche ausdrücklich nicht?
Mengengerüst
Mit welchen Mengen wird kalkuliert, was passiert bei Abweichung nach oben oder unten?
Entgelt
Pauschale, Preis je Palette, Preis je Position? Und wie wird bei steigenden Kosten angepasst?
Laufzeit und Kündigung
Wie lange, mit welcher Frist, und wer trägt dann die Restwerte der Technik?
Qualität und Kennzahlen
Welche Termintreue und Fehlerquote werden zugesagt, was folgt bei Unterschreitung?
Haftung und Versicherung
Wer haftet für Schwund, Bruch und Verzug, in welcher Höhe?
IT-Anbindung
Welche Daten werden wie ausgetauscht, wem gehören sie?
Rückabwicklung
Wie kommt der Kunde am Ende wieder an seine Bestände und Daten?
Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen und ist der wichtigste: Er entscheidet, ob ein Wechsel überhaupt noch möglich ist.
Warum Vertrauen dazugehört
Der Dienstleister sieht Bestände, Kunden, Absatzzahlen und Margen. Ohne offenen Informationsaustausch kann er nicht planen. Mit ihm gibt der Auftraggeber Einblicke, die er sonst niemandem gewährt. Häufig werden deshalb auch nicht-logistische Leistungen mitübertragen: Vormontage, Qualitätsprüfung, Etikettierung, Displaybau.
Beispiel: Ein Hersteller von Kaffeemaschinen übergibt Lagerung, Kommissionierung und Versand. Der Dienstleister baut eine Halle, setzt 40 Mitarbeiter ein und konfektioniert zusätzlich Aktionssets für den Handel. Vertragslaufzeit fünf Jahre, Preis je versandter Position, zugesagte Termintreue 98 %. Steht im Vertrag nicht, wem die Artikelstammdaten gehören, wird der Wechsel zum nächsten Dienstleister zum Projekt über Monate.
Kontraktlogistik heißt: mehrere Leistungen, mehrere Jahre, auf einen Kunden zugeschnitten und ein Vertrag, der auch das Ende regelt.
Outsourcing logistischer Funktionen
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Outsourcing bedeutet, Aufgaben aus dem eigenen Betrieb auszugliedern und von einem externen Dienstleister erledigen zu lassen.
Gründe dafür
Risiken
Konzentration auf die Kernaufgabe
Abhängigkeit vom Dienstleister
Fixkosten werden zu variablen Kosten
Verlust von eigenem Know-how
kein eigenes Kapital für Hallen und Technik nötig
Kundendaten liegen außer Haus
Spezialwissen und Mengenvorteile des Dienstleisters
Qualitätsprobleme fallen auf den Auftraggeber zurück
Mengenschwankungen lassen sich besser abfedern
Rückholung ins eigene Haus ist teuer und langwierig
Für die Beschäftigten ist Outsourcing ein einschneidendes Thema. Geht ein Betriebsteil über, greift unter Umständen der Betriebsübergang nach § 613a BGB, und der Betriebsrat ist zu beteiligen (Betriebsänderung nach §§ 111 ff. BetrVG).
Beispiel: Ein Maschinenbauer lagert den Ersatzteilversand aus. Die Lieferzeit sinkt, weil der Dienstleister länger arbeitet und näher am Paketzentrum sitzt. Als aber ein Kunde eine Sonderverpackung braucht, dauert die Abstimmung drei Tage. Früher wäre man einmal in die Halle gegangen.
Outsourcing spart Kapital und bringt Spezialwissen, schafft aber Abhängigkeit und kostet eigenes Know-how.
Logistikdienstleister: von 1PL bis 4PL
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Wie weit ein Dienstleister eingebunden ist, beschreibt man mit Stufen. „PL“ steht für Party Logistics.
Stufe
Wer ist das?
Beispiel
1PL
Das Unternehmen macht alles selbst
eigener Fuhrpark, eigenes Lager
2PL
Dienstleister für einzelne Leistungen
Frachtführer, Lagerhalter
3PL
Dienstleister bündelt mehrere Leistungen dauerhaft
Lager, Kommissionierung und Versand aus einer Hand
4PL
Steuert die Lieferkette, ohne selbst Lager oder Lkw zu besitzen
Netzwerksteuerung, IT, Dienstleisterauswahl
Die Kontraktlogistik entspricht typischerweise der Stufe 3PL: mehrere Leistungen, fester Vertrag, längere Laufzeit.
Beispiel: Ein Onlinehändler startet mit eigenem Lager (1PL) und beauftragt nur einen Paketdienst (2PL). Beim Wachstum übergibt er das komplette Fulfillment an einen Dienstleister (3PL). Für seine internationalen Märkte beauftragt er zusätzlich einen Steuerer, der alle Dienstleister koordiniert (4PL).
Von 1PL bis 4PL steigt die Verantwortung des Dienstleisters, vom einzelnen Transport bis zur Steuerung der ganzen Kette.
Übung: Logistikbereiche und Organisation
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Aufgabe 1: Ordnen Sie jeder Situation den passenden Logistikbereich zu.
a) Die Presse für Kartonagen wird geleert und das Altpapier abgeholt.
b) Ein Lieferant wird gemahnt, weil die Schrauben seit zwei Tagen überfällig sind.
c) Für den Schmalgangstapler wird ein Satz Ersatzrollen bestellt.
d) Der Kunde erhält per Datenaustausch die Sendungsnummer.
e) Für den Norden wird ein zusätzliches Auslieferungslager geprüft.
Lösung: a) Entsorgungslogistik, b) Beschaffungslogistik, c) Instandhaltungslogistik, d) Informationslogistik, e) Distributionslogistik
Aufgabe 2: Ein Betrieb richtet eine Logistikstelle ein, die Abläufe im ganzen Haus analysiert, Vorschläge macht, aber niemandem etwas anweisen darf. Um welche Organisationsform handelt es sich, und wo liegt die größte Schwäche?
Lösung: Es handelt sich um eine Stabsfunktion. Die Schwäche: Ohne Weisungsbefugnis bleiben gute Vorschläge liegen, wenn die Linie sie nicht aufgreift oder die Leitung sie nicht durchsetzt.
Aufgabe 3: Nennen Sie die sechs „R“ und erklären Sie an einem Beispiel, warum fünf erfüllte „R“ nicht reichen.
Lösung: Richtiges Gut, richtige Menge, richtige Qualität, richtige Zeit, richtige Kosten, richtiger Ort. Beispiel: Eine Sendung ist vollständig, einwandfrei und günstig, kommt aber einen Tag zu spät zum Montagetermin. Für den Kunden ist die Leistung damit nicht erbracht.
Jede Aufgabe im Lager lässt sich einem Logistikbereich zuordnen und jede Lieferung an den sechs „R“ messen.
2. Prozessoptimierung
Einstieg: Neue Halle oder bessere Abläufe?
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Ein Großhändler für Fahrradzubehör will sein Sortiment um E-Bike-Teile und Akkus erweitern. Schon heute stehen Paletten in den Gängen, im Wareneingang fehlt Pufferfläche. Die Geschäftsführung denkt deshalb über eine zweite Halle nach, verlangt aber, dass vorher alle Abläufe überprüft werden. In der Pause fragt ein Azubi: „Optimieren heißt am Ende doch nur, dass Stellen wegfallen, oder?“
Aufgabe: Welche Abläufe leiden unter der Platznot, welche Möglichkeiten gibt es außer einem Neubau, und was bringt die Sortimentserweiterung mit sich?
Lösung:
Betroffen sind Wareneingang (keine Pufferfläche), Einlagerung (Suche nach freien Plätzen), Kommissionierung (verstellte Gänge, lange Wege) und Versand (Stau vor den Toren).
Alternativen: Höhe besser nutzen, chaotische Lagerung einführen, Langsamdreher auslagern oder auslisten, Bestände senken, Außenlager anmieten, Teile direkt vom Lieferanten zum Kunden liefern lassen.
Die Erweiterung bringt neue Artikel und Lagerplätze, aber auch Gefahrgutpflichten für Lithiumakkus, eigene Brandschutzbereiche und geschultes Personal. Sie verändert den Betrieb stärker, als die reine Menge vermuten lässt.
Zur Frage des Azubis: Optimierung kann Stellen kosten. Sie kann aber auch heißen, dass dieselbe Mannschaft mehr schafft, weniger sucht und weniger hebt.
Bevor gebaut wird, lohnt der Blick auf die Abläufe. Oft steckt der Engpass nicht in den Quadratmetern, sondern im Prozess.
Was ist ein Prozess?
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Definition: Ein Prozess ist eine Folge von Tätigkeiten, die ein bestimmtes Ergebnis erzeugen: eine Leistung oder eine gewollte Veränderung.
Jeder Prozess hat einen Anfang, ein Ende und ein Ziel. Dazwischen liegen Arbeitsschritte, die aufeinander aufbauen.
Beispiel Retourenbearbeitung
Anfang: Das Retourenpaket wird angenommen.
Schritte: Paket öffnen, Ware mit dem Retourenschein abgleichen, Zustand prüfen, Ware reinigen oder neu verpacken, Gutschrift auslösen, Artikel wieder einlagern.
Ende und Ziel: Der Artikel ist wieder verkäuflich gebucht und der Kunde hat seine Gutschrift.
Wer Prozesse verbessern will, muss sie zuerst sauber abgrenzen. Ohne klaren Anfang und klares Ende lässt sich weder messen noch vergleichen.
Beispiel: „Wie lange dauert unsere Retoure?“ ist so nicht beantwortbar. Erst die Festlegung „von der Ankunft des Pakets bis zur Gutschrift“ macht eine Messung möglich und zeigt, dass die Ware oft drei Tage auf die Prüfung wartet.
Ein Prozess ist eine Folge von Tätigkeiten mit klarem Anfang, Ende und Ziel. Erst die Abgrenzung macht ihn messbar.
Die Einteilung hilft beim Priorisieren: Verbesserungen im Kernprozess wirken unmittelbar auf Lieferzeit und Kosten. Unterstützungsprozesse fallen erst auf, wenn sie fehlen, dann aber sofort.
Beispiel: Ein Betrieb kürzt die Zeit für Staplerwartung, um Kosten zu sparen. Nach drei Monaten häufen sich Ausfälle, Kommissionieraufträge bleiben liegen. Die Einsparung im Unterstützungsprozess hat den Kernprozess getroffen.
Kernprozesse schaffen Kundennutzen, Unterstützungsprozesse halten sie am Laufen, Managementprozesse steuern das Ganze.
Prozesse grafisch darstellen: die Symbole
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Abläufe lassen sich als Flussdiagramm darstellen. Dafür gibt es genormte Symbole nach DIN 66001, die jeder im Betrieb gleich liest:
Symbol
Bedeutung
abgerundetes Rechteck (Oval)
Start oder Ende des Prozesses
Rechteck
Prozessschritt, also eine Tätigkeit
Raute
Abfrage oder Entscheidung (mit Ja-/Nein-Ausgängen)
Rechteck mit gewellter Unterkante
Dokument beliebiger Art
Rechteck mit schräger Oberkante
manuelle Eingabe über Tastatur, Maus oder Touchscreen
Pfeil
Richtung des Ablaufs
Zwei Regeln machen jedes Diagramm lesbar: Jede Raute hat mindestens zwei beschriftete Ausgänge, und jeder Weg führt irgendwann zu einem Ende.
Oval für Start und Ende, Rechteck für Tätigkeiten, Raute für Entscheidungen. Mit diesen drei Symbolen und Pfeilen lässt sich fast jeder Ablauf zeichnen.
Ein Flussdiagramm erstellen
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So gehen Sie vor
Anfang und Ende festlegen
alle Tätigkeiten in der richtigen Reihenfolge auflisten
Entscheidungspunkte suchen: Überall, wo im Alltag „kommt drauf an“ gesagt wird, gehört eine Raute hin
Rücksprünge einzeichnen, etwa bei Fehlern oder Nacharbeit
Diagramm mit jemandem durchgehen, der den Ablauf täglich macht
Beispiel Wareneingang als Ablauf:
Start → Lkw am Tor anmelden → Papiere prüfen → Abfrage „Avis vorhanden?“ → nein: Rückfrage beim Einkauf, dann zurück zur Prüfung; ja: entladen → Menge und Zustand prüfen → Abfrage „Mängel?“ → ja: Schadensprotokoll erstellen (Dokument) und Lieferant informieren, danach weiter mit „Wareneingang buchen“; nein: Wareneingang buchen (manuelle Eingabe) → einlagern → Ende
Was dabei auffällt
Beim Zeichnen zeigen sich Stellen, die im Alltag niemandem mehr auffallen:
Schleifen, in denen dieselbe Prüfung mehrfach durchlaufen wird
Schritte ohne Nutzen, etwa Listen, die gedruckt und sofort abgeheftet werden
Wartepunkte, an denen die Ware liegt, aber niemand arbeitet
Entscheidungen ohne klare Regel, die jeder anders trifft
Wer einen Ablauf zeichnet, sieht Rücksprünge, Wartezeiten und Doppelarbeit, die im Alltag unsichtbar geworden sind.
Optimierung heißt Kompromiss
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Optimieren ist nicht dasselbe wie maximieren. Wer ein Ziel bis zum Anschlag verfolgt, verschlechtert fast immer ein anderes. Diese Situation heißt Zielkonflikt, und die Lösung ist kein Maximum, sondern ein tragfähiger Kompromiss.
Drei Interessen ziehen am selben Bestand
Am deutlichsten wird das beim Lagerbestand. Dort treffen drei Interessen aufeinander, und im Betrieb hat jedes seinen Fürsprecher:
niedrig, denn jeder belegte Platz kostet Fläche, Handling und Versicherung
Kapital freihalten
Geschäftsführung, Finanzbereich
niedrig, denn Geld im Regal steht für Investitionen nicht zur Verfügung
Keine der drei Forderungen ist falsch. Genau das macht den Konflikt aus: Er lässt sich nicht durch bessere Argumente auflösen, sondern nur durch eine bewusste Entscheidung, die alle drei kennen.
Wie man einen Zielkonflikt entscheidet
beide Seiten in dieselbe Einheit bringen, meist Euro im Jahr
die Summe bilden, nicht jeden Posten für sich betrachten
den Punkt suchen, an dem diese Summe am kleinsten ist
die Entscheidung festhalten, damit nicht jede Abteilung weiter ihr eigenes Optimum verfolgt
Formeln
Bestandssenkung = Ø Bestand vorher − Ø Bestand nachherBestandssenkung=Ø Bestand vorher−Ø Bestand nachher
Ersparnis an Zinsen = 90 000 € · 0,06 = 5 400 € im Jahr
Dem steht das Risiko gegenüber, häufiger nicht lieferfähig zu sein. Erst wenn die drohenden Fehlmengenkosten kleiner sind als 5 400 €, lohnt sich die Senkung.
Nach demselben Muster lassen sich die Ziele der folgenden Beiträge lesen: Kosten, Zeit, Ökologie, Qualität und Humanisierung. Die Aufzählung ist nicht abgeschlossen: Je nach Betrieb kommen Flexibilität bei Auftragsspitzen oder Arbeitssicherheit als eigene Ziele hinzu, und auch sie stehen untereinander im Konflikt.
Optimieren heißt nicht maximieren. Wer Lieferfähigkeit, Kosten und Kapitalbindung in Euro umrechnet, kann die Summe minimieren statt zu streiten.
Optimierungsziel: Kostenminimierung
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Kostenminimierung heißt unnötige Kosten vermeiden, nicht an allem sparen. Der Unterschied ist entscheidend: Wer die Staplerwartung streicht, senkt eine Kostenstelle und erzeugt eine größere an anderer Stelle.
Unnötig sind Kosten vor allem dann, wenn Kapazität bezahlt, aber nicht genutzt wird. Ein halb leeres Regalfeld, ein wartender Stapler, eine Schicht ohne Aufträge und ein zu großer Karton sind derselbe Fehler in vier Erscheinungsformen.
Typische Ansatzpunkte im Lager
Leerfahrten der Stapler vermeiden, Ein- und Auslagerung kombinieren
Regalplätze auf die tatsächliche Artikelhöhe einstellen
Personaleinsatz an den Auftragsverlauf über den Tag anpassen
Verpackungsmaterial und Kartongrößen anpassen
Die Grenze: Fehlmengenkosten
Werden Bestände zu stark gesenkt, kann nicht mehr geliefert werden. Es drohen Sonderfahrten, Vertragsstrafen, Preisnachlässe und im schlimmsten Fall der Verlust des Kunden. Diese Folgekosten heißen Fehlmengenkosten.
vermiedene Fehlmengenkosten = Anzahl Fehlmengen · Kosten je Fehlmengevermiedene Fehlmengenkosten=Anzahl Fehlmengen·Kosten je Fehlmenge
Kurz erklärt
Der Bestandswert ist das Geld, das in der Ware steckt.
Der Lagerhaltungskostensatz zeigt, welcher Anteil davon jährlich Kosten verursacht.
Rechenbeispiel: Ein Artikel kostet 25 € im Einkauf. Ein um 200 Stück höherer Sicherheitsbestand verursacht bei einem Lagerhaltungskostensatz von 18 % im Jahr:
Bestandswert = 200 · 25 € = 5 000 €
Mehrkosten = 5 000 € · 0,18 = 900 € im Jahr
Damit lassen sich erfahrungsgemäß drei Fehlmengen im Jahr vermeiden, die je 600 € kosten würden:
vermiedene Fehlmengenkosten = 3 · 600 € = 1 800 €
Der höhere Sicherheitsbestand rechnet sich: Er spart unter dem Strich 900 €.
Kostenminimierung heißt unnötige Kosten vermeiden. Zu niedrige Bestände erzeugen Fehlmengenkosten, die oft teurer sind als die Ersparnis.
Optimierungsziel: Zeitersparnis
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Zeit ist im Lager kein eigenes Ziel, sondern ein Umrechnungsfaktor: Der größte Kostenblock ist die Arbeitszeit, und die kürzere Durchlaufzeit ist zugleich das, was der Kunde als schnelle Lieferung erlebt. Eine gesparte Minute zahlt deshalb doppelt: auf die Kosten und auf die Konkurrenzfähigkeit.
Entscheidend ist, welche Zeit man senkt. Die reine Bearbeitungszeit ist meist schon knapp. Der große Anteil steckt woanders.
Wo Zeit verloren geht
Wegzeiten: machen beim Kommissionieren oft mehr als die Hälfte der Zeit aus
Wartezeiten: auf Stapler, Ware, Freigabe oder Papiere
Rüst- und Nacharbeitszeiten: Umpacken, Korrekturbuchungen, Reklamationen
Formeln
Ersparnis je Tag = Aufträge je Tag · Ersparnis je AuftragErsparnis je Tag=Aufträge je Tag·Ersparnis je Auftrag
Ersparnis je Jahr = Ersparnis je Tag · ArbeitstageErsparnis je Jahr=Ersparnis je Tag·Arbeitstage
Kostenersparnis = Ersparnis in h · StundensatzKostenersparnis=Ersparnis in h·Stundensatz
Kurz erklärt
Kleine Ersparnis je Auftrag, aber viele Aufträge an vielen Tagen.
Mit dem Stundensatz wird aus Zeit Geld.
Rechenbeispiel: Durch eine neue Anordnung der Schnelldreher spart jeder Kommissionierauftrag 36 Sekunden Weg. Der Betrieb bearbeitet 150 Aufträge am Tag an 220 Arbeitstagen, der Personalkostensatz beträgt 28 € je Stunde.
Ersparnis je Tag = 150 · 36 s = 5 400 s = 90 min = 1,5 h
Ersparnis je Jahr = 1,5 h · 220 = 330 h
Kostenersparnis = 330 h · 28 €/h = 9 240 € im Jahr
Gewonnene Zeit lässt sich für mehr Aufträge nutzen oder um Überstunden abzubauen.
Weg-, Such- und Wartezeiten sind der größte Zeitfresser im Lager. Wer sie senkt, senkt direkt die Personalkosten je Auftrag.
Optimierungsziel: ökologische Verantwortung
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Unter Green Logistics fasst man alle Maßnahmen zusammen, mit denen logistische Abläufe die Umwelt weniger belasten. Der Antrieb dafür kommt aus drei Richtungen gleichzeitig, und das erklärt, warum das Thema so schnell an Gewicht gewonnen hat:
Vorschriften: Verpackungsgesetz, Kreislaufwirtschaftsgesetz, Vorgaben zu Emissionen und Energieeffizienz
Kunden und Ausschreibungen: Große Auftraggeber verlangen Nachweise über die eigene Lieferkette, ohne die es keinen Auftrag gibt.
eigene Kosten: Energie, Material und Entsorgung sind Kostenarten. Wer sie senkt, spart Geld.
Der dritte Punkt ist im Lager der wirksamste. Wo Umweltschutz und Kostensenkung in dieselbe Richtung zeigen, setzt sich eine Maßnahme von allein durch. Wo sie auseinanderfallen, wird daraus eine bewusste Entscheidung, und manchmal nur eine Werbeaussage.
Ansatzpunkte im Lager
Energie: LED-Beleuchtung mit Bewegungsmeldern, Hallentore mit Schnelllauffunktion, Wärmerückgewinnung
Fördertechnik: Elektrostapler statt Verbrenner, Energierückgewinnung beim Bremsen und Senken
Verpackung: Materialstärke reduzieren, Mehrwegladungsträger, Füllmaterial aus Recyclingstoff
Häufig zahlen ökologische Maßnahmen doppelt ein: Weniger Energie und weniger Material bedeuten auch weniger Kosten. Wo das nicht so ist, muss ein Betrieb ehrlich entscheiden, was ihm Nachhaltigkeit wert ist.
Beispiel: Ein Versender stellt von Kartons in fünf Größen auf einen Kartonautomaten um, der die Höhe an den Inhalt anpasst. Ergebnis: weniger Füllmaterial, kleinere Volumen und dadurch mehr Pakete je Lkw.
Green Logistics wird von Vorschriften, Kunden und Kosten getrieben. Im Lager wirkt am stärksten, was Umwelt und Kosten zugleich entlastet.
Optimierungsziel: Qualitätssicherung und -steigerung
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Qualität als Optimierungsziel bedeutet nicht „besonders sorgfältig arbeiten“, sondern etwas Nachprüfbares: Es gibt einen festgelegten Standard, und es gibt eine laufende Messung, ob er erreicht wird. Fehlt eines von beiden, ist Qualität nur eine Absichtserklärung.
Der Standard kann von außen vorgeschrieben sein oder sich der Betrieb selbst gesetzt haben. Für die Messung braucht es Kennzahlen, die im Alltag ohne Zusatzaufwand entstehen.
Was im Lager gemessen wird
Kennzahl
Aussage
Kommissionierfehlerquote
Anteil fehlerhafter Positionen an allen Positionen
Liefertermintreue
Anteil pünktlich versandter Aufträge
Bestandsgenauigkeit
Übereinstimmung von Buch- und Istbestand
Reklamationsquote
Anteil beanstandeter Sendungen
Schadensquote
Anteil beschädigt ausgelieferter Ware
Formel
Fehlerquote in % = fehlerhafte Positionen : Positionen gesamt · 100 %Fehlerquote in %=fehlerhafte Positionen·100 %Positionen gesamt
Kurz erklärt
Zeigt, wie viel Prozent der Positionen fehlerhaft waren.
Je kleiner, desto besser.
Rechenbeispiel: In einem Monat werden 42 000 Positionen kommissioniert, 84 davon fehlerhaft.
Fehlerquote = 84 : 42 000 · 100 % = 0,2 %
Klingt wenig. Bei 30 Positionen je Auftrag ist aber im Schnitt jeder 17. Auftrag betroffen. Deshalb wird die Qualität auch je Auftrag betrachtet, nicht nur je Position.
Qualität wird gemessen, nicht gefühlt. Kennzahlen zeigen, ob Standards im Alltag wirklich eingehalten werden.
Optimierungsziel: Humanisierung der Arbeit
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Hinter dem Ziel steht ein einfacher Grundsatz: Die Arbeit wird an den Menschen angepasst, nicht umgekehrt. Der Begriff stammt aus dem Forschungsprogramm „Humanisierung des Arbeitslebens“ der 1970er-Jahre; heute gehört die menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu den Maßnahmen des Arbeitsschutzes, die der Arbeitgeber treffen muss (§ 2 Abs. 1 und § 3 ArbSchG).
Er hat zwei Seiten, die sich schlecht trennen lassen:
die körperliche: ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitsmitteln und Abläufen
die soziale: Beteiligung und Mitbestimmung (wer über seine Arbeit mitentscheidet, erträgt sie anders)
Ergonomie im Lager
häufig gegriffene Artikel in Greifhöhe zwischen Knie und Schulter lagern
Beleuchtung, Lärm, Zugluft und Bodenbelag beachten
einseitige Belastung durch Aufgabenwechsel vermeiden
Arbeitsmittel wie Scanner und Kommissionierwagen so wählen, dass sie nicht zusätzlich belasten
Das ist kein Luxus: Gesunde Beschäftigte fehlen seltener, machen weniger Fehler und bleiben dem Betrieb länger erhalten. In Zeiten knapper Fachkräfte ist das ein handfester Wettbewerbsvorteil.
Beispiel: Ein Betrieb hängt die Kommissionierliste vom Klemmbrett auf einen Wagen mit Ablage in Hüfthöhe und legt die 20 schwersten Artikel auf mittlere Regalebenen. Die Krankenquote in der Kommissionierung sinkt spürbar, ohne teure Technik.
Humanisierung heißt Mitbestimmung und Ergonomie. Wer die Arbeit an den Menschen anpasst, senkt Fehlzeiten und Fehler.
Der Qualitätsbegriff
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Im Alltag benutzen wir das Wort als Lob: Etwas „hat Qualität“, wenn es gut ist. Fachlich ist der Begriff wertfrei. Die international gültige Festlegung steht in der DIN EN ISO 9000:
Definition: Qualität ist der Grad, in dem die innewohnenden Merkmale eines Objekts die Anforderungen erfüllen (DIN EN ISO 9000).
Daraus folgen drei Dinge, die im Lager unmittelbar praktisch sind:
Ohne Anforderung keine Qualität. Was niemand festgelegt hat, kann auch nicht erfüllt oder verfehlt werden. „Ordentlich verpackt“ ist keine Anforderung, „keine Überstände über die Palettenkante“ schon.
Billig heißt nicht schlechte Qualität. Ein einfacher Karton, der die Anforderung erfüllt, hat volle Qualität. Ein teurer, der sie verfehlt, hat keine.
Qualität ist messbar, sobald die Merkmale festgelegt sind, und erst dann.
Woher die Anforderungen kommen
Quelle
Beispiel aus dem Lager
Folge bei Nichterfüllung
Gesetz und Verordnung
Kennzeichnung von Gefahrgut, Kühlkette bei Lebensmitteln
Die letzte Zeile ist die gefährlichste. Sie steht in keinem Vertrag und entscheidet trotzdem, ob ein Kunde wiederkommt.
Vom Produkt zum Prozess
Früher wurde Qualität am fertigen Produkt geprüft. Heute wird auch der Weg dorthin geprüft, denn ein unbeherrschter Ablauf liefert nur zufällig gute Ergebnisse. Für das Lager heißt das: Nicht nur das Paket wird beurteilt, sondern auch, ob der Packvorgang so gestaltet ist, dass ein falsches Paket gar nicht erst entstehen kann.
Beispiel: Zwei Betriebe liefern dieselbe Ware desselben Herstellers. Bei einem kommt sie sauber palettiert, korrekt etikettiert und mit vollständigen Papieren an, beim anderen nicht. Das Produkt ist identisch, die Qualität der Lieferung nicht. Logistik ist damit selbst ein Qualitätsmerkmal, und oft das einzige, an dem der Kunde die beiden Anbieter unterscheiden kann.
Qualität heißt: festgelegte Anforderungen erfüllen. Ohne festgelegte Anforderung gibt es keine messbare Qualität, nur Meinungen.
Qualitätssicherung im Lager
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Qualitätssicherung bedeutet, Fehler zu verhindern, statt sie nur am Ende zu finden. Je später ein Fehler auffällt, desto teurer wird er.
Die Fehlerkostenregel
Als Faustregel gilt: Was im eigenen Haus 1 € kostet, kostet beim Kunden ein Vielfaches, wegen Nachlieferung, Fracht, Gutschrift und Vertrauensverlust.
Scannen statt Abhaken, Prüfziffern und Plausibilitätsprüfungen
Kontrollwaage am Packplatz
Stichproben mit festgelegtem Umfang
Fehlerursachen erfassen und auswerten, nicht nur Fehler zählen
Beispiel: Ein Betrieb wertet Reklamationen aus und stellt fest, dass 60 % der Fehlgriffe auf zwei Artikel mit fast gleicher Verpackung entfallen. Die Lösung ist keine Ermahnung, sondern getrennte Lagerplätze und ein auffälliges Etikett.
Fehler früh finden ist gut, Fehler vermeiden ist besser. Wichtig ist die Ursache, nicht der Schuldige.
Normen: DIN, EN und ISO
Lernvideo: Normen: DIN, EN und ISO. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Normen legen fest, wie etwas beschaffen sein oder ablaufen soll. Sie sind grundsätzlich freiwillig, werden aber durch Verträge oder Gesetze oft verbindlich.
Ebene
Organisation
Beispiel
national
DIN (Deutsches Institut für Normung e. V.)
DIN-Normen für Paletten, Regale, Kennzeichnung
europäisch
CEN allgemein, CENELEC für Elektrotechnik, ETSI für Telekommunikation
EN-Normen, etwa für Flurförderzeuge
international
ISO allgemein, IEC für Elektrotechnik, ITU für Telekommunikation
ISO-Container, ISO 9001 für Qualitätsmanagement
Bei CEN/CENELEC und ISO/IEC ist Deutschland durch zwei Stellen vertreten: DIN für den allgemeinen Bereich, die DKE für Elektrotechnik und Informationstechnik.
Was die Buchstaben vor der Nummer bedeuten
Der Name einer Norm verrät, wie weit sie gilt. Das wird in Prüfungen gern gefragt:
Bezeichnung
Gültigkeit
DIN 31051
rein deutsche Norm, kein europäisches oder internationales Vorbild
DIN EN 16307-1
europäische Norm, unverändert als deutsche Norm übernommen
DIN EN ISO 9001
internationale Norm, über die europäische Ebene nach Deutschland übernommen
DIN ISO 2859-1
internationale Norm, direkt übernommen, ohne europäischen Zwischenschritt
Widerspricht eine übernommene europäische Norm einer nationalen, muss die nationale zurückgezogen werden. Deshalb gibt es zu einem Thema selten beides nebeneinander.
Beispiel: Der ISO-Container ist die wohl bekannteste Norm der Logistik. Weil Maße und Eckbeschläge weltweit gleich sind, passt jeder Container auf jedes Schiff, jeden Waggon und jedes Chassis. Ohne Norm gäbe es keinen weltweiten Containerverkehr.
DIN national, EN europäisch, ISO international. Normen sind freiwillig, bis ein Kunde oder ein Gesetz sie verlangt.
Zertifizierung und Audits
Lernvideo: Zertifizierung und Audits. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Betriebe, die bestimmte Normen und Standards erfüllen, können sich zertifizieren lassen. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüft das Unternehmen in einem Audit und stellt bei Erfolg ein Zertifikat aus.
Wichtige Regeln
Ein Zertifikat gilt nicht unbegrenzt. Es muss durch regelmäßige Audits immer wieder gerechtfertigt werden. Üblich sind jährliche Überwachungsaudits und nach drei Jahren ein Wiederholungsaudit.
Die Einhaltung der Normen muss dokumentiert, also überprüfbar und schriftlich festgehalten sein.
Neben externen gibt es interne Audits, bei denen der Betrieb sich selbst prüft.
Warum Betriebe das machen
Oft verlangen es die Kunden. In der Medizintechnik oder der Lebensmittelbranche ist der Nachweis von Hygiene- und Qualitätsstandards Voraussetzung für einen Auftrag. Die bekannteste Norm dafür ist DIN EN ISO 9001 für Qualitätsmanagementsysteme. Am 16. September 2026 ist die überarbeitete Fassung ISO 9001:2026 erschienen. Für bestehende Zertifikate nach der Fassung von 2015 gilt eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2029, in der die Betriebe umstellen müssen. In der Lebensmittellogistik kommen branchenspezifische Standards hinzu, etwa IFS Logistics.
Beispiel: Vor dem Audit fragt der Auditor im Lager nach: Wo steht, wie eine beschädigte Palette behandelt wird? Wer hat das zuletzt geprüft? Gibt es Nachweise über die Regalprüfung? Gute Vorbereitung heißt, dass diese Unterlagen im Alltag gepflegt werden und nicht erst am Vortag entstehen.
Ein Zertifikat ist eine Momentaufnahme mit Verfallsdatum: Gehalten wird es nur durch dokumentierte, gelebte Abläufe.
Dokumentation: Nachweise im Qualitätsmanagement
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„Nicht dokumentiert heißt nicht gemacht.“ Dieser Satz gilt in jedem Qualitätsmanagementsystem. Die Einhaltung von Normen muss überprüfbar und schriftlich festgehalten werden.
Typische Dokumente im Lager
Arbeitsanweisungen und Prozessbeschreibungen, etwa für den Wareneingang
Gute Dokumentation ist so knapp wie möglich und so genau wie nötig. Wenn die Unterlagen nur für das Audit gepflegt werden, sind sie Ballast. Wenn sie im Alltag genutzt werden, sind sie das Gedächtnis des Betriebs.
Beispiel: Ein Kunde reklamiert eine Charge Lebensmittel. Nur weil beim Wareneingang und bei der Kommissionierung die Chargennummern erfasst wurden, lässt sich in Minuten sagen, welche Kunden noch betroffen sind. Ohne Dokumentation wäre ein Rückruf über das gesamte Sortiment nötig.
Nachweise entstehen im Alltag, nicht vor dem Audit. Sie sichern Rückverfolgbarkeit und schützen den Betrieb.
Lean Management
Lernvideo: Lean Management. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Nach den Ölkrisen der 1970er-Jahre gerieten die europäischen und amerikanischen Automobilhersteller gegenüber der japanischen Konkurrenz ins Hintertreffen. Über die Ursache wurde lange gerätselt, bis sie zwischen 1985 und 1990 systematisch untersucht wurde.
Woher der Begriff stammt
Das International Motor Vehicle Program am Massachusetts Institute of Technology (MIT) verglich Automobilwerke weltweit. Den Begriff lean production prägte dort 1988 der Forscher John Krafcik; bekannt wurde er 1990 durch das Buch „The Machine That Changed the World“ von Womack, Jones und Roos. Das untersuchte Vorbild war im Wesentlichen das Toyota-Produktionssystem.
Das Ergebnis war unbequem: Die japanischen Werke waren nicht besser ausgestattet, sondern anders organisiert. Sie brauchten für dieselbe Leistung weniger von allem: weniger Fläche, weniger Bestand, weniger Nacharbeit, weniger Hierarchieebenen. Daher „lean“, also schlank.
Die zwei Hebel
Hebel
was sich ändert
im Lager sichtbar an
flache Hierarchie
weniger Führungsebenen, kürzere Entscheidungswege, Verantwortung im Team vor Ort
Ein Problem an der Rampe wird in der Schicht gelöst, nicht in der nächsten Leitungsrunde.
Verschwendung beseitigen
alles entfällt, wofür der Kunde nicht zahlen würde
keine doppelten Wege, keine Zwischenpuffer, keine Nacharbeit
Die sieben Verschwendungsarten
Im Toyota-System heißen sie muda. Sie lassen sich eins zu eins auf ein Lager übertragen:
Verschwendung
Beispiel im Lager
Transport
Paletten mehrfach umsetzen, weil der Platz nicht feststand
Bestand
Ladenhüter, die Fläche und Kapital binden
Bewegung
weite Griffwege am Packplatz, Bücken zu Bodenplätzen
Wartezeit
Fahrer wartet auf Papiere, Kommissionierer auf Nachschub
Überproduktion
Aufträge kommissionieren, die erst nächste Woche versandt werden
unnötige Bearbeitung
Umpacken, weil die Verpackungseinheit nicht passt; Listen drucken und sofort abheften
Fehler
Fehlgriffe, Falschbuchungen, Retouren und die Nacharbeit dazu
Später kam eine achte hinzu: ungenutztes Wissen der Mitarbeiter. Wer täglich am Platz steht, kennt die Schwachstellen, wird aber nicht gefragt.
Beispiel: Statt Lagerleiter, Schichtleiter, Bereichsleiter und Vorarbeiter gibt es nur noch Lagerleitung und Teams mit Sprecher. Gleichzeitig wird die Zwischenpufferfläche im Wareneingang aufgelöst, weil sie nur Transporte erzeugt hat. Beides zusammen ist Lean. Eine flachere Struktur allein wäre nur Personalabbau.
Lean Management stammt aus der MIT-Untersuchung des Toyota-Systems. Es verschlankt Hierarchien und beseitigt Verschwendung, also alles, wofür der Kunde nicht zahlen würde.
Kaizen
Lernvideo: Kaizen. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Das japanische Wort Kaizen setzt sich aus kai „Veränderung“ und zen „gut“ zusammen und wird meist mit „Veränderung zum Besseren“ übersetzt. Als Managementbegriff bekannt gemacht hat es Masaaki Imai mit seinem Buch „Kaizen“ von 1986.
Definition: Kaizen ist die Haltung, Abläufe dauerhaft in kleinen Schritten zu verbessern, getragen von den Beschäftigten, die diese Abläufe täglich ausführen. Im Deutschen entspricht ihr der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP).
Die drei Grundannahmen dahinter
Kein Zustand ist endgültig. Auch ein gut laufender Ablauf lässt sich weiter verbessern und verschlechtert sich von allein, wenn niemand hinsieht.
Der Fachmann steht am Platz. Wer den Handgriff 400-mal am Tag macht, kennt die Schwachstelle besser als jede Analyse von außen.
Der Weg zählt, nicht nur das Ergebnis. Ein schlechter Ablauf liefert auch dann nur zufällig gute Ergebnisse, wenn die Zahlen gerade stimmen.
Der Unterschied zur großen Investition
Merkmal
Kaizen
Innovation
Schrittgröße
viele kleine Schritte
ein großer Sprung
getragen von
den Mitarbeitern
Technik und Kapital
Dauer
dauerhaft, nie abgeschlossen
einmaliges Projekt
Kosten
gering, oft null
hohe Investition
Risiko
klein (ein misslungener Schritt lässt sich zurücknehmen)
Beides schließt sich nicht aus, im Gegenteil: Nach einer großen Investition sorgt erst Kaizen dafür, dass der neue Zustand nicht langsam wieder verfällt.
Beispiel: In der Packerei schlägt ein Mitarbeiter vor, den Klebebandabroller links statt rechts zu montieren, weil alle mit links zugreifen. Fünf Sekunden je Paket, 400 Pakete am Tag, 220 Arbeitstage: rund 122 Stunden im Jahr. Kosten: vier Schrauben. Kein Beratungsprojekt hätte diesen Griff bemerkt.
Kaizen heißt Veränderung zum Besseren in vielen kleinen Schritten, getragen von den Leuten, die die Arbeit täglich machen.
Methoden unter dem Kaizen-Dach
Lernvideo: Methoden unter dem Kaizen-Dach. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Kaizen ist kein einzelnes Werkzeug, sondern eine Haltung, unter der sich viele Methoden versammeln. Sortiert man sie danach, woran sie ansetzen, wird erkennbar, welche man für welches Problem braucht.
Am Menschen: Wissen nutzen, das im Betrieb schon vorhanden ist
Methode
worum es geht
Kleingruppenarbeit
ein Team verantwortet einen Abschnitt gemeinsam
Qualitätszirkel
kleine Gruppen bearbeiten selbstgewählte Qualitätsprobleme
betriebliches Vorschlagswesen
Ideen der Beschäftigten sammeln, bewerten, prämieren
Kooperation der Führungsebenen
Verbesserungen scheitern selten an der Idee, meist an der Ebene darüber
An der Qualität: Fehler vermeiden statt aussortieren
Methode
worum es geht
umfassende Qualitätskontrolle (TQC)
Qualität in allen Bereichen, nicht nur in der Endkontrolle
Null-Fehler-Anspruch
Ursachen beseitigen, statt Ausschuss einzuplanen
Kundenorientierung
auch der nächste Arbeitsschritt im Haus gilt als Kunde
Am Fluss: Bestände und Wartezeiten herausnehmen
Methode
worum es geht
Kanban
Nachschub wird durch den Verbrauch ausgelöst, nicht durch einen Plan
Just-in-time
Anlieferung genau dann, wenn das Material gebraucht wird
Standardisierung
vereinbarte Abläufe wirklich einhalten, sonst ist kein Vergleich möglich
An der Technik: Belastung und Fehleranfälligkeit senken
Methode
worum es geht
Mechanisierung und Automatisierung
schwere und monotone Arbeit technisch unterstützen
umfassende produktive Instandhaltung (TPM), z. B. vorbeugend
Anlagen gemeinsam in Schuss halten, statt auf Ausfälle zu warten
Kanban und das Just-in-time-Verfahren werden in Lernfeld 11 „Güter beschaffen“ ausführlich behandelt, die 5-S-Methode weiter hinten in diesem Kapitel.
Beispiel: Ein Lagerteam trifft sich freitags eine Viertelstunde und sammelt drei Dinge: Was hat diese Woche genervt? Was hat gut funktioniert? Was ändern wir nächste Woche? Das ist Kaizen im Kleinformat: ohne Berater, ohne Budget und ohne dass jemand das Wort Kaizen benutzen müsste.
Die Methoden setzen an vier Stellen an: am Menschen, an der Qualität, am Fluss und an der Technik. Erst zusammen ergeben sie Kaizen.
Total Quality Management (TQM)
Lernvideo: Total Quality Management (TQM). Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Früher prüfte man Qualität am Ende der Fertigung. Beim Total Quality Management gilt das als zu spät. In den Blick kommen die Prozesse und die Zufriedenheit der Kunden.
Was „total“ bedeutet
alle Bereiche: vom Wareneingang bis zum Versand, auch Verwaltung und Instandhaltung
alle Beschäftigten: jeder ist für die Qualität der eigenen Arbeit verantwortlich, nicht nur eine Prüfstelle
der ganze Weg: vom Lieferanten über den eigenen Betrieb bis zum Kunden
Woran man es erkennt
Der nächste Arbeitsschritt gilt als interner Kunde: Der Packplatz bekommt saubere Kommissionen, nicht umgekippte Behälter.
Fehler werden gemeldet, ohne dass jemand einen Schuldigen sucht.
Reklamationen gelten als Hinweis, nicht als Ärgernis.
Kennzahlen hängen dort aus, wo gearbeitet wird, nicht nur im Büro.
Beispiel: In einem Ersatzteillager meldet ein Kommissionierer von sich aus, dass zwei Dichtungen mit fast gleicher Nummer nebeneinander liegen. Die Plätze werden getrennt, bevor die erste Reklamation kommt. Genau das meint Qualitätsbewusstsein: Es ersetzt Kontrolle durch Mitdenken.
TQM heißt Qualität in allen Bereichen, durch alle Beschäftigten, über den gesamten Weg bis zum Kunden.
Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
Lernvideo: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP). Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Beim KVP stehen die Beschäftigten im Mittelpunkt. Der Gedanke dahinter: Wer einen Arbeitsplatz täglich bedient, kennt ihn besser als jede Planungsabteilung. Deshalb werden die Leute früh einbezogen. Je früher sie mitreden, desto eher tragen sie eine Änderung mit.
Ziel
Die Wirtschaftlichkeit des Betriebs soll dauerhaft gesichert und verbessert werden. Typische Ergebnisse:
Arbeitsschritte vereinfachen oder ganz streichen
Flächen, Geräte und Hilfsmittel besser nutzen
Durchlaufzeiten verkürzen und Nacharbeit verringern
Bestände abbauen, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden
Fehlerursachen beseitigen, statt Fehler zu verwalten
neue Standards festlegen und sofort anwenden
Voraussetzungen
Die Teams brauchen Spielraum und Eigenverantwortung.
Vorgesetzte moderieren mehr, als sie anweisen.
Lösungen werden gemeinsam erarbeitet.
KVP läuft regelmäßig und dauerhaft, es ist kein Projekt mit Enddatum.
Beispiel: Ein Team schlägt vor, die Leergutpaletten nicht mehr am Ende des Gangs, sondern direkt an den drei Packplätzen zu sammeln. Ergebnis: pro Schicht rund 40 Wege weniger und ein freier Fluchtweg. Umgesetzt in einer Woche, Kosten: drei Stellplatzmarkierungen.
KVP verbessert in kleinen Schritten mit den Leuten vor Ort, dauerhaft statt als einmalige Aktion.
Betriebliches Vorschlagswesen
Lernvideo: Betriebliches Vorschlagswesen. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Das betriebliche Vorschlagswesen ist der formelle Weg, auf dem eine Idee aus der Halle in eine Entscheidung mündet. Es unterscheidet sich vom KVP dadurch, dass ein Einzelner einreicht, eine Kommission bewertet und der Erfolg ausgezahlt wird.
Rechtlich ist es kein Nebenschauplatz: Nach § 87 Abs. 1 Nr. 12 BetrVG hat der Betriebsrat bei den Grundsätzen des Vorschlagswesens ein Mitbestimmungsrecht. Führt ein Vorschlag zu einer technischen Neuerung, kann außerdem das Arbeitnehmererfindungsgesetz greifen.
Wie es üblicherweise abläuft
Vorschlag einreichen, meist über ein Formular oder das Intranet
Bewertung durch eine Kommission, oft mit Betriebsrat
Entscheidung über Umsetzung und Prämie
Rückmeldung an den Einreicher, auch bei Ablehnung, mit Begründung
Die Prämie richtet sich meist nach der berechenbaren Ersparnis im ersten Jahr. Nicht rechenbare Vorschläge, etwa zur Arbeitssicherheit, werden pauschal prämiert.
Gibt es eine Höchstgrenze, gilt der niedrigere Wert.
Kurz erklärt
Die Prämie ist ein Anteil der jährlichen Ersparnis.
Gibt es eine Obergrenze, wird dort gedeckelt.
Rechenbeispiel: Ein Vorschlag zur Umstellung der Kommissionierzone spart im Jahr 9 240 € an Personalkosten. Der Betrieb zahlt 25 % der Jahresersparnis als Prämie.
Prämie = 9 240 € · 0,25 = 2 310 €
Dem Betrieb bleiben im ersten Jahr 6 930 €, in den Folgejahren die volle Ersparnis.
Wichtig ist die Rückmeldung: Ein Vorschlagswesen stirbt nicht an zu wenig Geld, sondern daran, dass Einreicher monatelang nichts hören.
Prämien belohnen Verbesserungsvorschläge. Entscheidend für den Erfolg sind zügige Bearbeitung und ehrliche Rückmeldung.
Der Demingkreis (PDCA-Zyklus)
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Verbesserung braucht eine feste Reihenfolge, sonst wird aus ihr Aktionismus: Es wird etwas geändert, niemand misst nach, und ein Jahr später ändert jemand es zurück. Der PDCA-Zyklus hält diese Reihenfolge fest und schließt sie zum Kreis.
Entwickelt hat den Grundgedanken der Statistiker Walter A. Shewhart in den 1930er-Jahren, bekannt gemacht hat ihn William Edwards Deming, weshalb er meist Demingkreis heißt. Deming selbst nannte ihn übrigens lieber PDSA, mit Study statt Check: Nach seiner Auffassung soll man das Ergebnis nicht nur abhaken, sondern verstehen.
Schritt
englisch
bedeutet
Planen
Plan
Problem analysieren, Ursachen suchen, Maßnahme und Ziel festlegen
Durchführen
Do
Maßnahme im Kleinen ausprobieren, nicht sofort im ganzen Betrieb
Prüfen
Check (bei Deming: Study)
Ergebnis messen, mit dem Ziel vergleichen und erklären, warum es so ausgefallen ist
Anpassen
Act
Bei Erfolg zum Standard machen, sonst nachbessern, danach von vorn beginnen
Beispiel: Die Fehlerquote in der Kommissionierung liegt bei 0,4 %.
Plan: Ursachenanalyse zeigt Verwechslungen bei ähnlichen Artikeln. Ziel: 0,2 % in drei Monaten.
Do: In einer Gasse werden die betroffenen Artikel getrennt und farbig gekennzeichnet.
Check: Nach vier Wochen liegt die Fehlerquote in dieser Gasse bei 0,15 %.
Act: Die Kennzeichnung wird Standard für das ganze Lager und in die Arbeitsanweisung aufgenommen.
Der vierte Schritt ist der, der im Alltag ausgelassen wird. Solange eine Verbesserung nicht zum Standard erklärt und aufgeschrieben ist, gilt sie nur so lange, wie die Kollegin da ist, die sie eingeführt hat.
Planen, durchführen, prüfen, anpassen und wieder von vorn. Ohne den vierten Schritt verpufft jede Verbesserung mit dem nächsten Personalwechsel.
Die 5-S-Arbeitsplatzorganisation
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Die 5-S-Methode stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und ist der konkreteste Teil des Kaizen-Gedankens: Sie verbessert nicht den ganzen Betrieb, sondern einen einzelnen Arbeitsplatz, und zwar durch die Leute, die dort arbeiten. Alle fünf japanischen Begriffe beginnen mit S, im Deutschen hat sich dafür die 5-A-Methode eingebürgert.
Die fünf Schritte
Schritt
japanisch
deutsch
die Frage, die er beantwortet
1
Seiri (aussondern)
Aussortieren
Was steht hier, das hier nicht gebraucht wird?
2
Seiton (ordnen)
Aufräumen
Wo gehört jedes verbliebene Teil hin, und warum genau dorthin?
3
Seiso (säubern)
Arbeitsplatzsauberkeit
Was verschmutzt hier, und woher kommt der Schmutz?
4
Seiketsu (vereinheitlichen)
Anordnung zur Regel machen
Woran erkennt ein Fremder den Sollzustand ohne Erklärung?
5
Shitsuke (Disziplin)
Alle Punkte einhalten und verbessern
Wer prüft wann nach, und wie wird der Standard weiterentwickelt?
Gelegentlich wird ein sechster Begriff ergänzt, meist Sicherheit (6S), seltener Shukan, die Gewohnheit. Er beschreibt den Zustand, in dem niemand mehr nachhalten muss, weil die Ordnung selbstverständlich geworden ist.
Warum die Reihenfolge nicht verhandelbar ist
Jeder Schritt setzt den vorherigen voraus. Wer sie vertauscht, arbeitet doppelt:
Wer aufräumt, ohne auszusortieren, sortiert Überflüssiges nur schöner und verbraucht dafür Platz.
Wer säubert, ohne die Anordnung festzulegen, putzt jede Woche neu um dieselben Gegenstände herum.
Wer keinen Standard festlegt, hat nach vier Wochen den Ausgangszustand zurück. Das ist der häufigste Abbruchpunkt.
Schritt 3 ist dabei mehr als Putzen: Beim Reinigen fallen Leckagen, lose Schrauben und Verschleiß auf, bevor sie zum Ausfall werden.
Das eigentliche Ziel
5S sieht nach Ordnung aus, zielt aber auf etwas anderes: Abweichungen sollen sofort sichtbar werden. Auf einem Platz, an dem alles seinen markierten Ort hat, sieht man in einer Sekunde, dass etwas fehlt. Auf einem vollgestellten Platz sieht man es gar nicht.
Aussortieren, aufräumen, säubern, Standard festlegen, Disziplin halten (in dieser Reihenfolge). Ziel ist nicht Ordnung, sondern dass Abweichungen auffallen.
5S im Lager anwenden
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Die Methode wirkt am besten dort, wo täglich gearbeitet wird: am Packplatz, in der Kommissionierzone, in der Staplerwerkstatt.
Beispiel Packplatz
Aussortieren: vier verschiedene Klebebandabroller, alte Musterkartons und ein defekter Drucker verschwinden
Aufräumen: Kartonagen nach Größe sortiert in Griffhöhe, Etikettendrucker rechts neben der Waage, Messer an fester Halterung
Säubern: tägliche Endreinigung fünf Minuten vor Schichtende
Standard: Markierungen auf dem Tisch und ein Foto des Sollzustands am Platz
Disziplin: wöchentlicher Kurzcheck im Team, Verbesserungen werden direkt eingearbeitet
Was das bringt
kürzere Such- und Griffzeiten
weniger Fehler durch klare Zuordnung
weniger Unfallgefahr durch freie Wege und Fluchtwege
jeder findet sich zurecht, auch Aushilfen und Vertretungen
Beispiel: Nach der 5S-Aktion braucht ein neuer Kollege an der Packstation keine Einweisung mehr für die Frage „Wo ist das Füllmaterial?“. Die Markierung am Boden beantwortet sie.
5S ist keine Aufräumaktion, sondern ein Standard: Alles hat einen Platz, und der Platz ist sichtbar gekennzeichnet.
Warehouse Management (WMS)
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Beide Systeme führen Bestände. Der Unterschied liegt in der Frage, die sie beantworten können.
Lagerverwaltungssystem (LVS)
Warehouse Management System (WMS)
beantwortet
„Wo liegt was, und wie viel?“
zusätzlich: „Wer macht als Nächstes was, womit und in welcher Reihenfolge?“
führt
Bestände und Lagerplätze
zusätzlich Aufträge, Fahrzeuge, Personal, Tore und Termine
Reichweite
das Lager
die gesamte Intralogistik, vom Hoftor bis zur Verladung
Arbeitsweise
bucht, was der Mensch entschieden hat
schlägt die Entscheidung selbst vor: Platz, Fahrzeug, Route, Reihenfolge
bei der Einlagerung
Der Mitarbeiter sucht einen freien Platz und bucht ihn.
Das System nennt den Platz, wählt den Stapler und hängt gleich einen Auslagerauftrag aus derselben Gasse an.
Warum das mehr ist als Bequemlichkeit
Solange jeder Bereich für sich optimiert, entstehen Reibungsverluste an den Übergaben: Der Wareneingang lagert schnell ein, ohne zu wissen, dass dieselbe Ware in einer Stunde für einen Auftrag gebraucht wird. Ein WMS sieht beide Vorgänge gleichzeitig und kann sie aufeinander abstimmen. Das ist sein eigentlicher Nutzen.
Wie viel System ein Betrieb braucht
Den Umfang bestimmt der Anwender. Die Spannweite reicht vom schlanken System für ein Handlager bis zur Steuerung eines vollautomatischen Distributionszentrums. Zwei Vorbedingungen gelten aber für jede Größe:
Die Stammdaten müssen stimmen. Falsche Maße und Gewichte machen jede Platzvergabe unbrauchbar.
Die Abläufe müssen vorher geklärt sein. Ein WMS beschleunigt einen unklaren Ablauf. Es ordnet ihn nicht.
Beispiel: Ein Betrieb führt ein WMS ein, ohne die Artikelmaße zu pflegen. Das System schlägt Plätze vor, auf die die Ware nicht passt. Nach zwei Wochen übergehen die Fahrer die Vorschläge und lagern wie früher. Die Buchung stimmt dann nicht mehr mit dem Regal überein. Das System war nicht das Problem.
Ein LVS weiß, wo etwas liegt. Ein WMS entscheidet zusätzlich, wer als Nächstes was womit tut, und stimmt die Abläufe aufeinander ab.
Funktionen eines WMS im Überblick
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Die Bausteine eines WMS lassen sich danach ordnen, welche Ressource sie verwalten. Das hilft bei der Auswahl: Ein Betrieb mit Stauproblemen am Tor braucht andere Bausteine als einer mit langen Kommissionierwegen.
Bausteine für die Ware
Baustein
Aufgabe
Bestands- und Platzverwaltung
Bestände je Platz, Charge und Seriennummer führen, Plätze vergeben
Nachschubsteuerung
Kommissionierplätze auffüllen, bevor sie leer sind
Umlagerungen
Verdichten, Umsetzen nach Zugriffshäufigkeit, Sperrbestände verwalten
Inventurunterstützung
Zählaufträge erzeugen, Differenzen dokumentieren
Bausteine für die Aufträge
Baustein
Aufgabe
Auftragsverwaltung
Aufträge annehmen, bündeln, nach Dringlichkeit und Versandtermin ordnen
passenden Karton vorschlagen, Vollständigkeit und Gewicht prüfen
Versanddisposition
Sendungen zu Touren bündeln, Rampen und Abfahrtzeiten zuordnen
Bausteine für Fahrzeuge, Flächen und Menschen
Baustein
Aufgabe
Hof- und Torsteuerung
Zeitfenster vergeben, Anmeldung, Rangierverkehr auf dem Gelände
Transportsteuerung
Fahraufträge an Stapler und Fördertechnik verteilen
Ressourcenplanung
Personal und Geräte auf die erwartete Auftragslast verteilen
Auswertung
Kennzahlen zu Leistung, Auslastung, Fehlern und Durchlaufzeiten
Kein Betrieb braucht alles auf einmal. Sinnvoll ist, mit dem Baustein zu beginnen, der den heute spürbaren Engpass betrifft, und erst dann zu erweitern.
Beispiel: Ein Betrieb startet mit Platzverwaltung und Kommissionierführung. Erst als sich morgens sechs Lkw gleichzeitig am Tor stauen, kommt die Hof- und Torsteuerung dazu. Zwei Jahre später folgt die Ressourcenplanung, weil die Auftragsspitzen unvorhersehbar geworden sind. Jeder Schritt löste ein konkretes Problem. Keiner wurde eingeführt, weil er im Angebot stand.
WMS-Bausteine verwalten drei Dinge: die Ware, die Aufträge und die Ressourcen. Eingeführt wird der Baustein, der den heutigen Engpass löst.
Digitales Lager: Technik im Einsatz
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Digitale Technik im Lager verfolgt ein einziges Ziel: jede Information nur einmal zu erfassen, und zwar dort, wo sie entsteht. Jede zweite Erfassung kostet Zeit und erzeugt eine neue Fehlerquelle. Gelingt das durchgehend, entsteht nebenbei die lückenlose Sendungsverfolgung, die der Kunde sieht.
Technik
Einsatz im Lager
Zeitfenstersystem und Kennzeichenerkennung
Der Lkw meldet sich vorab an, das Tor öffnet automatisch, die Wartezeit auf dem Hof sinkt.
Datenfunk am Stapler
Entlade- und Einlagerungsaufträge kommen direkt ans Terminal, der Platz wird vorgegeben und gegengeprüft.
Barcode und RFID
Jede Bewegung wird erfasst. RFID braucht keinen Sichtkontakt und liest mehrere Einheiten gleichzeitig.
Pick-by-Voice, Datenbrille, Scan-Handschuh
Beide Hände bleiben frei, Quittierung ohne Papier.
Kontrollwaage und Sendungsprüfung
Abweichungen fallen am Packplatz auf, nicht beim Kunden.
Sendungsverfolgung für Kunden
Status vom Verladescan bis zur Zustellung ohne Rückfrage im Innendienst
Was dabei wichtig bleibt
Die Stammdaten müssen stimmen: Falsche Maße und Gewichte machen jede Automatik unbrauchbar.
Es braucht einen Notfallplan für den Systemausfall.
Personenbezogene Daten wie Ortung oder Leistungserfassung unterliegen dem Datenschutz und der Mitbestimmung des Betriebsrats.
Ausführlich behandelt wird die RFID-Technik in Lernfeld 1, zusammen mit dem Vergleich zum Barcode.
Digitale Technik verbindet Tor, Stapler, Kommissionierung und Versand zu einer Kette ohne Medienbrüche, vorausgesetzt, die Stammdaten stimmen.
Staplerleitsystem
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Ein Staplerleitsystem verteilt Fahraufträge automatisch auf die Fahrzeuge. Es ist meist Teil des WMS und arbeitet mit Terminals an den Staplern und einer Ortung im Lager.
Wie es arbeitet
Es kennt Position und Status jedes Staplers.
Es wählt für einen Auftrag das am besten geeignete Fahrzeug, nach Entfernung, Bauart und Auslastung.
Es kombiniert Ein- und Auslagerung zu Doppelspielen und vermeidet so Leerfahrten.
Es liefert Kennzahlen: Fahrstrecken, Auslastung, Wartezeiten.
Formeln
Leerfahrt je Tag = Anzahl Spiele · Leerfahrt je SpielLeerfahrt je Tag=Anzahl Spiele·Leerfahrt je Spiel
Einsparung = Leerfahrt je Tag · EinsparanteilEinsparung=Leerfahrt je Tag·Einsparanteil
Kurz erklärt
Leerfahrten kosten Zeit, ohne etwas zu bewegen.
Das Leitsystem spart einen Teil davon ein.
Rechenbeispiel: Ein Lager fährt täglich 600 Einzelspiele mit durchschnittlich 40 m Leerfahrt. Durch Doppelspiele entfallen 35 % dieser Leerfahrten.
Leerfahrt bisher = 600 · 40 m = 24 000 m = 24 km am Tag
Einsparung = 24 km · 0,35 = 8,4 km am Tag
Bei 220 Arbeitstagen sind das 1 848 km im Jahr: Fahrzeit, Energie und Verschleiß, die niemand bezahlt.
Ein Staplerleitsystem verteilt Fahraufträge nach Position und Auslastung und spart Leerfahrten durch Doppelspiele.
Supply Chain Management (SCM)
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Supply Chain Management heißt übersetzt Lieferketten-Management. Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit Logistik verwendet, weil beide dasselbe Objekt haben: Güter- und Informationsflüsse. Der Unterschied liegt allein in der Reichweite.
Frage
innerbetriebliche Prozessoptimierung
Supply Chain Management
Wo wird optimiert?
innerhalb eines Unternehmens
über die Unternehmensgrenze hinweg, vom Rohstoff bis zum Endkunden
Wer entscheidet?
eine Geschäftsführung
mehrere rechtlich selbstständige Unternehmen
Womit wird gesteuert?
Anweisung
Vertrag, geteilte Daten und gemeinsames Interesse
Wo sitzen die Probleme?
an den Abteilungsgrenzen
an den Unternehmensgrenzen (dort ist keiner zuständig)
Warum die Schnittstellen der Kern sind
Innerhalb eines Betriebs lässt sich eine Reibung durch eine Anweisung beseitigen. Zwischen zwei Unternehmen gibt es diese Anweisung nicht. Jede Seite optimiert dann ihren eigenen Abschnitt, und zwar so, dass die Kosten bei der anderen anfallen. Wer in Kartons zu 48 Stück liefert, spart eigenes Packmaterial; der Empfänger, der in Einheiten zu 40 lagert, zahlt es mit Umpackarbeit.
SCM bedeutet deshalb vor allem, die Kette als Ganzes zu betrachten: Die Summe der lokal besten Lösungen ist fast nie die beste Gesamtlösung.
Was zur Kette gehört
Die Kette reicht vom Rohstofflieferanten über Hersteller, Lager und Handel bis zum Endkunden und wieder zurück. Retouren, Leergut, Mehrwegladungsträger und Altgeräte laufen denselben Weg in Gegenrichtung. Streng genommen ist die „Kette“ deshalb ein Netz, in dem jeder Beteiligte mehrere Vorgänger und Nachfolger hat.
Beispiel für eine Schnittstelle: Der Lieferant palettiert 48 Kartons je Palette, der Empfänger lagert in Einheiten zu 40. Jede Anlieferung erzeugt Umpackarbeit und eine Restmenge, die niemand sauber verbuchen kann. Beide Seiten arbeiten für sich korrekt. Erst wenn jemand beide Seiten zusammen betrachtet, wird daraus eine Absprache über die Verpackungseinheit, und der Aufwand verschwindet für beide.
SCM unterscheidet sich von der Prozessoptimierung nur durch die Reichweite: über die Unternehmensgrenze hinweg. Die Summe der lokal besten Lösungen ist selten die beste Gesamtlösung.
Ziele und Grenzen des Supply Chain Managements
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Was SCM erreichen soll, lässt sich auf drei Größen zusammenziehen: weniger Kosten, weniger Zeit, bessere Qualität der logistischen Leistung. Interessanter ist, wodurch das erreicht werden soll, denn daran hängt, was ein Betrieb dafür tun muss.
Vier Hebel
Hebel
Gedanke dahinter
was der Betrieb dafür tun muss
Kette bewerten
Alternative Zulieferketten vergleichen, nicht nur einzelne Lieferantenangebote
Gesamtkosten rechnen: Preis plus Transport, Bestand, Qualitätsrisiko und Lieferzeit
Kette verkürzen
Jede Zwischenstufe ist eine zusätzliche Schnittstelle, ein Lager und eine Wartezeit
prüfen, ob Handelsstufen oder Umschlagpunkte entfallen können
Kette messen
Was nicht gemessen wird, lässt sich nicht verbessern
Durchlauf- und Lieferzeiten über die ganze Kette erfassen, nicht nur im eigenen Haus
Kette vernetzen
Wer die echte Nachfrage kennt, muss sie nicht schätzen
Der vierte Hebel ist der wirksamste und zugleich der schwierigste. Er ist der Grund, warum SCM häufig an der Umsetzung scheitert.
Wo es schwierig wird
Preisgabe von Wissen: Geteilte Bestands- und Absatzdaten verraten dem Partner auch die eigene Verhandlungsposition.
Verlust an Freiheit: Wer sich auf gemeinsame Planung einlässt, kann den Lieferanten nicht mehr kurzfristig wechseln.
Ungleiche Machtverhältnisse: Häufig bestimmt der größte Partner die Regeln, und die Vorteile verteilen sich nicht gleichmäßig.
Ein- und Austritt: Wer wird aufgenommen, wer darf gehen, und was passiert mit den gemeinsamen Daten und Investitionen?
Störanfälligkeit: Eine eng verzahnte Kette ohne Puffer reagiert auf jede Störung sofort und überall.
Deshalb halten manche Fachleute lose, flexible Netzwerke mit dezentraler Entscheidung für realistischer als die durchgeplante Kette. Die Erfahrung aus den Lieferengpässen der vergangenen Jahre hat dieser Sicht Auftrieb gegeben: Wer zweite Bezugsquellen und Sicherheitsbestände hatte, war schneller wieder lieferfähig.
Beispiel: Ein Zulieferer soll dem Hersteller wöchentlich seine Kapazitätsauslastung melden. Fachlich sinnvoll: Der Hersteller könnte besser planen. Der Zulieferer zögert, weil dieselbe Zahl in der nächsten Preisverhandlung gegen ihn verwendet werden kann. Gelöst wird das nicht durch Technik, sondern durch eine Vereinbarung darüber, wofür die Daten verwendet werden dürfen.
SCM wirkt über vier Hebel: Kette bewerten, verkürzen, messen und vernetzen. Der vierte bringt am meisten und verlangt am meisten Vertrauen.
EDI und EDIFACT
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Damit zwei Unternehmen Daten austauschen können, reicht eine Leitung nicht. Beide Seiten müssen sich über drei Dinge einig sein:
Welche Felder eine Nachricht enthält und in welcher Reihenfolge
Welche Werte darin zulässig sind, also gemeinsame Nummern für Artikel, Orte und Einheiten
Auf welchem Weg die Nachricht übertragen wird
EDI (Electronic Data Interchange) ist der Oberbegriff für diesen Austausch: strukturierte Geschäftsdaten laufen direkt von System zu System, ohne dass jemand etwas abtippt oder ausdruckt.
Der weltweit verbreitetste Regelsatz dafür ist UN/EDIFACT, kurz für Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport. Er wird von den Vereinten Nationen gepflegt (Gremium UN/CEFACT) und seine Syntaxregeln sind als ISO 9735 genormt. In einzelnen Branchen gelten eigene Untermengen, im Handel etwa EANCOM.
Typische Nachrichten in der Logistik
Nachricht
Inhalt
Bestellung (ORDERS)
Artikel, Menge, Termin
Lieferavis (DESADV)
Vorabinformation über Inhalt und Ankunft einer Sendung
Wareneingangsmeldung (RECADV)
Rückmeldung, was tatsächlich angekommen ist
Rechnung (INVOIC)
Abrechnung der Lieferung
Statusmeldung (IFTSTA)
Sendungsverfolgung
Die gemeinsamen Nummern liefert das GS1-System: die GTIN für den Artikel, die GLN für Unternehmen und Standorte und die NVE/SSCC für die einzelne Versandeinheit auf dem Transportetikett. Ohne sie nützt das beste Nachrichtenformat nichts, weil beide Seiten über verschiedene Dinge reden.
Neben dem klassischen EDIFACT sind heute Web-EDI für kleinere Partner (ein Formular im Browser statt einer eigenen Schnittstelle) und Formate auf XML-Basis verbreitet.
Beispiel: Mit Lieferavis weiß der Wareneingang schon am Vortag, welche 18 Paletten kommen. Der Scan des Transportetiketts bucht die gesamte Sendung, statt 18 Positionen einzeln zu erfassen.
EDI überträgt Geschäftsdaten direkt von System zu System. EDIFACT ist der weltweite Standard dafür.
Zwei Beispiele für gelebtes SCM
Lernvideo: Zwei Beispiele für gelebtes SCM. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
An zwei Beispielen lässt sich zeigen, was Zusammenarbeit über die Unternehmensgrenze hinweg konkret bedeutet: einmal beim Materialfluss, einmal beim Informationsfluss.
Just-in-time: Bestand durch Abstimmung ersetzen
Beim Just-in-time-Prinzip liefert der Zulieferer so genau auf den Bedarf des Herstellers hin, dass die Teile ohne Zwischenlagerung direkt an die Fertigung oder Montage gehen. Der Puffer, der sonst im Lager steht, wird durch verlässliche Abstimmung ersetzt.
Was der Hersteller gewinnt
Was er dafür aufgibt
Lagerfläche und gebundenes Kapital
Reserve gegen Störungen
weniger Handling und Umlagerungen
Freiheit, den Lieferanten kurzfristig zu wechseln
Ware veraltet nicht im Regal
Unabhängigkeit vom Verkehr: Stau, Streik oder ein Maschinenausfall beim Lieferanten schlagen sofort durch
Damit das trägt, braucht es kurze Entfernungen, verlässliche Verkehrswege, hohe Qualität bereits beim Lieferanten (eine Eingangsprüfung ist zeitlich nicht mehr möglich) und einen Abruf, der dem Lieferanten früh genug vorliegt. Ausführlich behandelt wird das Verfahren in Lernfeld 11 „Güter beschaffen“.
RFID: Erfassung ohne Zutun
Ein RFID-Tag am Gut wird an festgelegten Übergabepunkten automatisch gelesen. Gegenüber dem Barcode entfallen damit zwei Einschränkungen:
Es ist kein Sichtkontakt nötig: Das Etikett darf verdeckt sein.
Es lassen sich viele Einheiten gleichzeitig erfassen, statt jede einzeln zu scannen.
Für die Lieferkette bedeutet das, dass Statusinformationen nahezu in Echtzeit entstehen, ohne dass jemand einen zusätzlichen Arbeitsschritt ausführt. Genau darin liegt der Unterschied: Eine Information, die von allein entsteht, ist auch dann vorhanden, wenn es hektisch wird.
Die Grenzen sollte man kennen: Metall und Flüssigkeiten stören das Lesen, die Tags kosten je Stück mehr als ein gedruckter Barcode, und an Personen getragene Lesegeräte werfen Fragen des Datenschutzes und der Mitbestimmung auf.
Beispiel: Ein Bekleidungshändler versieht jedes Teil mit einem RFID-Etikett. Beim Wareneingang wird ein ganzer Rollcontainer in einem Durchgang erfasst (statt 400 Einzelscans). Gleichzeitig sieht die Zentrale, welche Filiale welche Größen führt, und kann umlagern, bevor eine Filiale ausverkauft ist. Der Nutzen entsteht dabei nicht im Lager, sondern in der Disposition zwei Stufen weiter.
Just-in-time ersetzt Bestand durch Abstimmung, RFID ersetzt Scanarbeit durch automatische Erfassung. Beides funktioniert nur, wenn die Partner ihre Daten teilen.
Der Peitscheneffekt in der Lieferkette
Lernvideo: Der Peitscheneffekt in der Lieferkette. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Ein bekanntes Problem in Lieferketten ist der Peitscheneffekt (englisch bullwhip effect): Kleine Schwankungen der Endkundennachfrage schaukeln sich stromaufwärts (also Richtung Lieferant) immer stärker auf. Beschrieben hat den Effekt zuerst Jay W. Forrester (1961), weshalb er auch Forrester-Effekt heißt; die heute übliche Erklärung stammt von Lee, Padmanabhan und Whang (1997).
Warum das passiert
Jede Stufe rechnet einen Sicherheitszuschlag auf die Bestellung.
Bestellt wird in Losgrößen, etwa ganzen Lkw-Ladungen, statt nach Bedarf.
Rabattaktionen erzeugen Bestellspitzen, die nichts mit dem echten Verbrauch zu tun haben.
Bei Knappheit bestellen Kunden vorsorglich zu viel.
Jede Stufe sieht nur die Bestellung der nächsten Stufe, nicht den tatsächlichen Absatz.
Was hilft
echte Abverkaufsdaten in der Kette teilen
kleinere, dafür häufigere Lieferungen
gemeinsame Absatzplanung mit den Partnern
Bestandsführung durch den Lieferanten, der den Bestand beim Kunden selbst überwacht
Beispiel: Der Absatz eines Getränks steigt um 5 %. Der Händler bestellt 15 % mehr, um den Bestand aufzubauen, der Großhandel ordert 30 % mehr, der Hersteller plant 50 % mehr Produktion. Nach drei Wochen sind alle Lager voll und die Bestellungen brechen ein.
Ohne geteilte Daten schaukeln sich kleine Nachfrageschwankungen durch die Kette auf, mit vollen Lagern am Ende.
Übung: Prozesse und Zielkonflikte
Lernvideo: Übung: Prozesse und Zielkonflikte. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Anteil der Bearbeitungszeit in % = Bearbeitungszeit : Durchlaufzeit · 100 %Anteil der Bearbeitungszeit in %=Bearbeitungszeit·100 %Durchlaufzeit
Kurz erklärt
Die Durchlaufzeit umfasst alles, auch Warten und Transport.
Oft ist nur ein kleiner Teil echte Bearbeitung.
Aufgabe 1: Der Wareneingang läuft heute so: Entladen 25 min, Warten auf Prüfung 95 min, Prüfen 15 min, Warten auf Einlagerung 60 min, Einlagern 20 min. Nach einer Umstellung sinken die Wartezeiten auf 35 min und 20 min. Berechnen Sie Durchlaufzeit und Bearbeitungsanteil vor und nach der Umstellung.
Die eigentliche Arbeit dauert unverändert 60 Minuten. Gespart wurden 100 Minuten reines Warten.
Aufgabe 2: Ordnen Sie zu: Welches Optimierungsziel steht hinter der Maßnahme?
a) Höhenverstellbare Packtische werden angeschafft.
b) Die Kartonagen werden gepresst und als Altpapier verkauft.
c) Am Packplatz wird eine Kontrollwaage eingebaut.
d) Schnelldreher kommen nach vorn in die Kommissionierzone.
Lösung: a) Humanisierung der Arbeit, b) ökologische Verantwortung und zugleich Kostenminimierung, c) Qualitätssicherung, d) Zeitersparnis
Aufgabe 3: Erklären Sie den Zielkonflikt zwischen hoher Lieferbereitschaft und Kostenminimierung an einem Beispiel aus Ihrem Betrieb.
Lösungshinweis: Hohe Lieferbereitschaft verlangt hohe Bestände und Sicherheitsbestände. Diese binden Kapital und verursachen Lagerkosten. Werden die Bestände gesenkt, drohen Fehlmengenkosten durch Sonderfahrten, Vertragsstrafen oder verlorene Kunden. Gesucht ist der Kompromiss, bei dem die Summe aus Lagerkosten und Fehlmengenkosten am niedrigsten ist.
Der größte Teil der Durchlaufzeit ist meist Wartezeit, und genau dort liegt das Potenzial.
Übung: Qualität, Kaizen und Managementkonzepte
Lernvideo: Übung: Qualität, Kaizen und Managementkonzepte. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Aufgabe 1: Ordnen Sie die Schritte des PDCA-Zyklus zu.
a) Die Fehlerquote wird nach vier Wochen erneut gemessen.
b) Die neue Kennzeichnung wird in die Arbeitsanweisung übernommen.
c) In einer Gasse werden die Artikel getrennt gelagert.
d) Die Ursachen der Verwechslungen werden analysiert und ein Ziel festgelegt.
Lösung: a) Check, b) Act, c) Do, d) Plan
Formeln für diese Übung
Prämie = Jahresersparnis · Prämiensatz (höchstens bis zur Höchstgrenze)Prämie=Jahresersparnis·Prämiensatz(höchstens bis zur Höchstgrenze)
Kurz erklärt
Die Prämie ist ein Anteil der jährlichen Ersparnis.
Höchstens bis zur festgelegten Grenze.
Aufgabe 2: Ein Verbesserungsvorschlag spart jährlich 6 400 € Materialkosten. Der Betrieb zahlt 25 % der Jahresersparnis als Prämie, höchstens jedoch 1 500 €. Wie hoch ist die Prämie?
Lösung:
rechnerische Prämie = 6 400 € · 0,25 = 1 600 €
Die Höchstgrenze greift: Die Prämie beträgt 1 500 €.
Aufgabe 3: Nennen Sie die fünf S in der richtigen Reihenfolge und begründen Sie, warum das Aussortieren am Anfang steht.
Lösung: Aussortieren, Aufräumen, Säubern, Standard festlegen, Disziplin halten. Wer zuerst aufräumt, ordnet auch Dinge ein, die am Arbeitsplatz gar nicht gebraucht werden, und verschwendet dafür Platz, Zeit und Wege.
Aufgabe 4: Worin unterscheidet sich Supply Chain Management von der innerbetrieblichen Prozessoptimierung?
Lösung: Die Prozessoptimierung verbessert Abläufe innerhalb eines Unternehmens. SCM betrachtet die gesamte Kette vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden und setzt vor allem an den Schnittstellen zwischen den Unternehmen an. Dafür müssen Daten geteilt und ein Stück unternehmerischer Freiheit aufgegeben werden.
Qualitätsmethoden wirken nur zusammen: messen, verbessern, zum Standard machen und dann von vorn.
3. Optimierungsmethoden
Einstieg: Nicht jeder Artikel verdient dieselbe Mühe
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In einem Handwerksgroßhandel bestellt die Disponentin an einem Vormittag zweierlei: eine Spezialpumpe für 4 200 € und einen Karton Kabelbinder für 38 €. Für die Pumpe holt sie drei Angebote ein, verhandelt den Preis und legt den Liefertermin fest. Die Kabelbinder bestellt sie in der Jahresmenge mit zwei Klicks nach.
Aufgabe: Warum wird hier unterschiedlich viel Aufwand betrieben, und nach welchem Merkmal könnte man die Artikel sinnvoll einteilen?
Lösung:
Bei der Pumpe hängt viel Geld an der Entscheidung. Ein Prozent Preisnachlass bringt mehr als der gesamte Wert der Kabelbinder. Umgekehrt wäre eine Verhandlung über 38 € teurer als die Ersparnis.
Sinnvoll ist eine Einteilung nach dem Wertanteil der Artikel am Gesamtwert des Lagers: wenige teure Artikel mit hoher Aufmerksamkeit, viele günstige Artikel mit wenig Aufwand. Genau das macht die ABC-Analyse.
Ergänzend interessiert, wie gleichmäßig ein Artikel verbraucht wird. Ein teurer Artikel mit planbarem Verbrauch lässt sich ganz anders beschaffen als einer, der unregelmäßig abgerufen wird.
Aufwand und Wert müssen zusammenpassen: viel Aufmerksamkeit für wenige teure Artikel, wenig Aufwand für viele günstige.
ABC-Analyse: der Grundgedanke
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Hinter der ABC-Analyse steht eine Beobachtung, die der italienische Ökonom Vilfredo Pareto um 1900 an der Vermögensverteilung machte und die für Lagerbestände genauso gilt: Wenige Positionen machen den größten Teil der Summe aus. Als Verfahren für die Materialwirtschaft ausgearbeitet hat das H. Ford Dickie 1951 bei General Electric.
Warum das im Lager eine Rolle spielt
Jeder eingelagerte Artikel bindet Kapital. Das beim Einkauf eingesetzte Geld steht dem Betrieb erst wieder zur Verfügung, wenn der Kunde bezahlt hat: im Handel nach dem Verkauf, in der Fertigung erst nach dem Verkauf des fertigen Erzeugnisses, in das das Teil eingebaut wurde. Bis dahin liegt das Geld im Regal.
Gleichzeitig ist Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource. Niemand kann 4 000 Artikel gleich sorgfältig disponieren, verhandeln und kontrollieren. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Wie steuere ich alles?“, sondern:
Leitfrage: Bei welchen Artikeln bringt zusätzlicher Aufwand mehr, als er kostet?
Die Antwort in zwei Richtungen
wenige Artikel mit hohem Wertanteil
viele Artikel mit geringem Wertanteil
Ziel
Kapitalbindung senken
Bearbeitungsaufwand senken
Beschaffung
mehrere Angebote, Preis verhandeln
Standardlieferant, wenig Aufwand
Bestellmenge
genau planen, eher knapp
großzügig, dafür selten bestellen
Kontrolle
genaue Bestandsführung
Sichtkontrolle; auf aufwendige Entnahmekontrollen wird verzichtet
Die ABC-Analyse ist das Werkzeug, das diese beiden Gruppen sauber voneinander trennt, nach ihrem Anteil am Gesamtwert und an der Gesamtmenge.
Beispiel: In einem Lager mit 4 000 Artikeln machen 240 Artikel rund zwei Drittel des Lagerwerts aus. Wer nur diese 240 eng überwacht, hat den größten Teil des gebundenen Kapitals im Griff und kümmert sich dafür um sechs Prozent der Artikel.
Wenige Artikel binden den größten Teil des Kapitals. Die ABC-Analyse findet sie, damit der Aufwand dorthin geht, wo er sich rechnet.
A-, B- und C-Güter
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Eingeteilt wird nach dem Verhältnis von Wertanteil zu Mengenanteil. Genau dieses Verhältnis macht den Unterschied aus, nicht der Stückpreis:
A-Güter: Der Wertanteil ist viel größer als der Mengenanteil. Wenige Stück, viel Geld.
B-Güter: Wert- und Mengenanteil liegen näher beieinander als bei A- und C-Gütern.
C-Güter: Der Mengenanteil ist viel größer als der Wertanteil. Viele Stück, wenig Geld.
Übliche Richtwerte
Kategorie
Wertanteil am Gesamtwert
Mengenanteil an der Gesamtmenge
A
rund 60 bis 80 %
unter 20 %
B
rund 10 bis 20 %
rund 20 bis 40 %
C
rund 5 bis 10 %
über 50 %
Diese Zahlen sind Erfahrungswerte, keine Vorschrift. Jeder Betrieb legt seine Klassengrenzen selbst fest und sollte sie danach nicht jedes Jahr verschieben, weil sonst kein Vergleich über die Zeit möglich ist.
Der Sonderfall B
Die B-Güter sind die unbequeme Klasse: Sie rechtfertigen den Aufwand der A-Güter nicht und vertragen die Sorglosigkeit bei C-Gütern nicht. In der Praxis wird deshalb meist entschieden, ob sie nach oben oder nach unten behandelt werden, und das durchaus je nach Fragestellung unterschiedlich.
Was daraus für die Behandlung folgt
A-Güter: genaue Disposition, enge Bestandskontrolle, Preisverhandlungen, kleine Bestellmengen, häufige Bestandsprüfung
B-Güter: nach schriftlich festgelegter Regel den A- oder C-Gütern zugeschlagen
Beispiel: Ein Betrieb behandelt seine B-Güter bei den Beständen wie C-Güter, bei der Lieferantenauswahl aber wie A-Güter. Beides ist zulässig, solange die Regel schriftlich festgehalten ist und für alle gleich gilt. Sonst entscheidet jeder Disponent nach Gefühl, und die Analyse war umsonst.
A-Güter: viel Wert bei wenig Menge. C-Güter: viel Menge bei wenig Wert. Die Prozentgrenzen sind Erfahrungswerte, festgelegt werden sie im Betrieb.
Eine ABC-Analyse durchführen
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Der Ablauf ist immer gleich, egal ob mit fünf oder fünftausend Artikeln:
Schritt 1: Für jeden Artikel den Jahreswert berechnen: Jahresmenge · Einstandspreis
Schritt 2: Artikel nach Wert absteigend sortieren
Schritt 3: Gesamtwert und Gesamtmenge bilden
Schritt 4: Für jeden Artikel den prozentualen Wert- und Mengenanteil berechnen
Schritt 5: Anteile von oben nach unten kumulieren, also aufaddieren
Schritt 6: Klassengrenzen festlegen und die Artikel A, B oder C zuordnen
Häufige Fehler
nach dem Stückpreis statt nach dem Jahreswert sortieren: Ein teures Ersatzteil, das einmal im Jahr gebraucht wird, ist kein A-Gut
das Kumulieren beim Mengenanteil vergessen
Klassengrenzen für jede Auswertung neu erfinden, sodass Vergleiche über die Jahre unmöglich werden
Bei größeren Sortimenten übernimmt die Rechnung die Warenwirtschaft oder eine Tabellenkalkulation. Wichtig bleibt, dass jemand die Klassengrenzen bewusst setzt und die Ergebnisse prüft.
Wertanteil in % = Wert des Artikels : Gesamtwert · 100 %Wertanteil in %=Wert des Artikels·100 %Gesamtwert
Mengenanteil in % = Menge des Artikels : Gesamtmenge · 100 %Mengenanteil in %=Menge des Artikels·100 %Gesamtmenge
kumulierte Anteile = Wert- bzw. Mengenanteile von oben nach unten aufaddiertkumulierte Anteile=Wert- bzw. Mengenanteile von oben nach unten aufaddiert
Kurz erklärt
Erst den Jahreswert je Artikel bilden und nach Wert sortieren.
Dann Wert- und Mengenanteile ausrechnen und von oben aufaddieren.
A-Artikel: wenig Menge, viel Wert.
Wert berechnen, sortieren, Anteile bilden, kumulieren, Klassen zuordnen (in dieser Reihenfolge).
ABC-Analyse: ein Rechenbeispiel
Lernvideo: ABC-Analyse: ein Rechenbeispiel. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Ein Elektrogroßhandel wertet fünf Artikel seines Sortiments aus. Klassengrenzen des Betriebs: A bis 75 % kumulierter Wertanteil, B bis 92 %, der Rest C.
Ausgangsdaten (Jahresverbrauch und Einstandspreis):
Artikel 4711: 1 000 Stück zu 150,00 € · Artikel 4712: 2 500 Stück zu 19,20 € · Artikel 4713: 6 500 Stück zu 5,00 € · Artikel 4714: 15 000 Stück zu 0,80 € · Artikel 4715: 25 000 Stück zu 0,30 €
Schritt 1: Jahreswert je Artikel, nach Wert sortiert
Wertanteil in % = Jahreswert : Gesamtwert · 100 %Wertanteil in %=Jahreswert·100 %Gesamtwert
Mengenanteil in % = Jahresmenge : Gesamtmenge · 100 %Mengenanteil in %=Jahresmenge·100 %Gesamtmenge
Kurz erklärt
Erst den Jahreswert bilden, dann nach Wert sortieren.
Die Anteile zeigen, wie viel Prozent vom Ganzen ein Artikel ausmacht.
Rechenweg für Artikel 4711:
Jahreswert = 1 000 Stück · 150,00 € = 150 000 €
Wertanteil = 150 000 € : 250 000 € · 100 % = 60 %
Mengenanteil = 1 000 : 50 000 · 100 % = 2 %
Schritt 2: Anteile bilden und von oben aufaddieren
Artikel
Wertanteil
kumuliert
Mengenanteil
kumuliert
Klasse
4711
60,0 %
60,0 %
2 %
2 %
A
4712
19,2 %
79,2 %
5 %
7 %
A
4713
13,0 %
92,2 %
13 %
20 %
B
4714
4,8 %
97,0 %
30 %
50 %
C
4715
3,0 %
100,0 %
50 %
100 %
C
Zur Zuordnung: Ein Artikel gehört zu der Klasse, in die er mit seinem kumulierten Wertanteil hineinreicht. Artikel 4712 überschreitet mit 79,2 % die A-Grenze von 75 %. Er zählt trotzdem noch zu A, weil die Grenze innerhalb seines Anteils liegt. Ebenso überschreitet 4713 mit 92,2 % knapp die B-Grenze und bleibt B. Diese Regel steht in keinem Gesetz; entscheidend ist, dass ein Betrieb sie einheitlich anwendet und aufschreibt.
Das Ergebnis in einem Satz
Zwei Artikel, also 7 % der Menge, binden 79,2 % des Werts. Die beiden C-Artikel machen 80 % der Menge aus und nur 7,8 % des Werts. Wer die beiden A-Artikel eng führt und bei den C-Artikeln den Aufwand herausnimmt, arbeitet an der richtigen Stelle.
Jahreswert bilden, sortieren, Anteile rechnen, kumulieren, Klassen zuordnen: So entsteht aus einer Artikelliste eine Entscheidung.
Die ABC-Kurve lesen
Lernvideo: Die ABC-Kurve lesen. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Die Zahlen aus der Tabelle lassen sich als Kurve zeichnen. Sie heißt fachlich Lorenzkurve und zeigt in einem Bild, wie ungleich sich der Wert auf die Menge verteilt.
Gezeichnet wird mit den kumulierten Werten: waagerecht der Mengenanteil, senkrecht der Wertanteil. Jeder Artikel liefert einen Punkt, die Linie beginnt im Nullpunkt und wird von Punkt zu Punkt fortgeführt. Weil die Artikel nach Wert sortiert sind, wird die Kurve nach rechts hin immer flacher.
Die Bezugslinie
Zieht man zusätzlich die Diagonale vom Nullpunkt zur oberen rechten Ecke ein, liegt dort der Fall völliger Gleichverteilung: 10 % der Menge wären 10 % des Werts. Je weiter sich die Kurve von dieser Diagonalen entfernt, desto lohnender ist die ABC-Einteilung.
So liest man sie
Steiler Anstieg am Anfang: Wenige Artikel machen einen großen Teil des Werts aus: klassische A-Güter.
Flaches Ende: Viele Artikel tragen kaum noch zum Wert bei: C-Güter.
Fast gerade Linie: Wert und Menge verteilen sich gleichmäßig. Dann bringt eine ABC-Einteilung wenig.
Beispiel aus dem Rechenbeispiel: Die Punkte lauten 2 % / 60 %, dann 7 % / 79,2 %, 20 % / 92,2 %, 50 % / 97 % und schließlich 100 % / 100 %.
Schon der erste Abschnitt steigt fast senkrecht: 2 % der Menge tragen 60 % des Werts. Der letzte Abschnitt verläuft dagegen fast waagerecht: Die halbe Lagermenge bringt noch 3 % Wert dazu. Genau dieser Knick macht die Klassengrenzen sichtbar.
Die Kurve ist ein Hilfsmittel zum Festlegen der Klassengrenzen, keine exakte Vorgabe. Wo genau der Schnitt gesetzt wird, entscheidet der Betrieb.
Je steiler die ABC-Kurve am Anfang, desto stärker konzentriert sich der Wert auf wenige Artikel.
Was aus der ABC-Analyse folgt
Lernvideo: Was aus der ABC-Analyse folgt. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Bereich
A-Güter
C-Güter
Beschaffung
mehrere Angebote, Verhandlungen, Rahmenverträge
Standardlieferant, wenig Aufwand, Sammelbestellung
Bestellmenge
kleine Mengen, häufiger bestellen
große Mengen, selten bestellen
Bestandskontrolle
laufende Überwachung, permanente Inventur
Sichtkontrolle, einfache Verfahren wie Zweibehälterprinzip
Bestandshöhe
knapp halten, Kapitalbindung senken
großzügiger, Fehlmenge wäre teurer als der Bestand
Lieferantenpflege
enge Abstimmung, Bewertung, Notfallplan
austauschbar
Der Grundsatz dahinter: Der Aufwand für Steuerung und Kontrolle muss kleiner sein als der Nutzen. Bei einem Artikel für 12 Cent lohnt keine Entnahmebuchung, die 40 Cent Arbeitszeit kostet.
Beispiel: Ein Betrieb stellt seine C-Artikel auf das Zweibehälterprinzip um. Ist der erste Behälter leer, wird nachbestellt und aus dem zweiten weitergearbeitet. Die Entnahmebuchung entfällt komplett, die Bestände steigen leicht. Unter dem Strich spart der Betrieb Arbeitszeit.
A-Güter genau steuern, C-Güter einfach halten. Kontrolle darf nie mehr kosten, als sie bringt.
ABC bei der Lagerplatzvergabe
Lernvideo: ABC bei der Lagerplatzvergabe. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Der Buchstabe A steht nicht immer für dasselbe. Je nach Frage wird nach einem anderen Merkmal eingeteilt:
Einteilung nach
Frage
Nutzen
Wert
Welche Artikel binden das meiste Kapital?
Beschaffung, Bestände, Inventur
Zugriffshäufigkeit
Welche Artikel werden am häufigsten angefasst?
Lagerplatzvergabe, Wegeoptimierung
Für die Platzvergabe zählt die Zugriffshäufigkeit. Schnelldreher kommen nach vorn und in die Greifzone zwischen Knie und Schulter, Langsamdreher nach hinten oder in obere Ebenen.
Beides kann auseinanderfallen: Ein Artikel mit hohem Wert wird vielleicht nur zweimal im Monat entnommen. Er ist ein A-Gut nach Wert, aber ein C-Gut nach Zugriffen.
Formeln
Ersparnis je Auftrag = Weg vorher − Weg nachherErsparnis je Auftrag=Weg vorher−Weg nachher
Ersparnis je Tag = Ersparnis je Auftrag · Aufträge je TagErsparnis je Tag=Ersparnis je Auftrag·Aufträge je Tag
Kurz erklärt
A-Artikel nah an den Ausgang: Dort werden sie am häufigsten gebraucht.
Die Ersparnis je Auftrag mal alle Aufträge zeigt den Nutzen.
Beispiel: In einer Kommissionierzone liegen 20 % der Artikel, auf die 70 % der Zugriffe entfallen, verstreut über vier Gänge. Nach der Umsortierung in eine Schnelldreherzone am Anfang der Gasse sinkt der durchschnittliche Weg je Auftrag von 190 m auf 130 m.
Ersparnis = 190 m − 130 m = 60 m je Auftrag
Bei 200 Aufträgen täglich = 12 000 m, also 12 km weniger Laufweg am Tag.
Für Bestände zählt der Wert, für Lagerplätze die Zugriffshäufigkeit. Beides kann zu verschiedenen Klassen führen.
Grenzen der ABC-Analyse
Lernvideo: Grenzen der ABC-Analyse. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Die ABC-Analyse beantwortet genau eine Frage: Wo liegt das Geld? Alles, was sie darüber hinaus nicht wissen kann, ist kein Fehler des Verfahrens, aber ein Fehler, wenn man es übersieht.
Drei blinde Flecken
Was sie nicht sieht
Folge
Abhilfe
die Zukunft (sie wertet abgelaufene Zeiträume aus)
Ein auslaufender Artikel bleibt ein Jahr lang A-Gut, ein neuer taucht gar nicht auf.
Zwei Artikel mit gleichem Jahreswert sehen gleich aus, obwohl der eine gleichmäßig läuft und der andere in drei Schüben.
XYZ-Analyse ergänzen
die Bedeutung (sie kennt nur den Wert, nicht die Folgen eines Fehlbestands)
Ein 80-Cent-Teil, das eine Linie stoppt, landet bei den C-Gütern und wird entsprechend nachlässig geführt.
zusätzliche Einstufung nach Kritikalität
Zwei weitere Stolperstellen
Nur drei Klassen. Die Einteilung ist bewusst grob. Innerhalb der A-Güter kann der Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Artikel riesig sein.
Einmalige Großaufträge verzerren. Ein Sonderauftrag zieht einen Artikel für ein Jahr künstlich nach oben. Solche Ausreißer gehören vor der Auswertung bereinigt oder wenigstens gekennzeichnet.
Beispiel: Eine Dichtung für 0,80 € ist nach Wert ein eindeutiges C-Gut. Fehlt sie, steht die Montagelinie. Der Schaden liegt bei mehreren tausend Euro je Stunde. Nach der reinen ABC-Logik dürfte man sie kaum beachten. Tatsächlich braucht sie einen großzügigen Sicherheitsbestand, der fast nichts kostet. Die Analyse war nicht falsch, nur die Schlussfolgerung wäre es gewesen.
Die ABC-Analyse sagt, wo das Geld liegt, aber nicht, was morgen kommt, wie gleichmäßig etwas läuft oder was ein Fehlbestand anrichtet.
Die XYZ-Analyse
Lernvideo: Die XYZ-Analyse. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Die XYZ-Analyse teilt Artikel nach der Gleichmäßigkeit ihres Verbrauchs ein, und damit danach, wie gut sich der Bedarf vorhersagen lässt.
Kategorie
Verbrauch
Vorhersage
Beispiel
X-Güter
gleichmäßig
gut planbar
Standardkarton im Versand
Y-Güter
schwankend, oft mit Trend oder Saison
mit Erfahrung planbar
Frostschutzmittel im Winter
Z-Güter
unregelmäßig, sporadisch
kaum planbar
Ersatzteil für eine ältere Anlage
Gemessen wird die Schwankung über den Variationskoeffizienten: Er setzt die Streuung der Verbrauchswerte ins Verhältnis zum Durchschnitt. Je kleiner der Wert, desto gleichmäßiger der Verbrauch. Übliche Grenzen liegen bei etwa 10 % und 25 %, festgelegt werden sie im Betrieb.
Beispiel: Zwei Artikel verbrauchen im Jahr je 1 200 Stück. Der eine geht jeden Monat mit rund 100 Stück weg, der andere in drei Schüben zu 400 Stück. Im Jahr sind sie gleich, in der Disposition völlig verschieden. Nur die XYZ-Analyse zeigt das.
Wozu das Ergebnis dient
Sicherheitsbestand: Je unregelmäßiger der Verbrauch, desto größer muss der Puffer sein. Das ist die wichtigste Folge.
Beschaffungsverfahren: X-Güter lassen sich bedarfsgenau abrufen, Z-Güter nicht.
Lagerplatzvergabe: Gleichmäßig laufende Artikel können feste Plätze in der Greifzone bekommen.
Prognose: Für X-Güter lohnt eine rechnerische Bedarfsvorhersage, für Z-Güter ist sie verschwendete Mühe.
X gleichmäßig, Y schwankend, Z unregelmäßig. Die XYZ-Analyse zeigt, wie gut sich ein Bedarf vorhersagen lässt.
ABC und XYZ kombinieren
Lernvideo: ABC und XYZ kombinieren. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Einzeln beantworten die beiden Verfahren je eine Frage: Die ABC-Analyse sagt, wie viel Geld an einem Artikel hängt, die XYZ-Analyse, wie gut er sich vorhersagen lässt. Erst zusammen ergeben sie eine Handlungsempfehlung.
Kombiniert entstehen neun Felder. Nützlich wird die Matrix aber erst, wenn in den Feldern nicht die Merkmale stehen, sondern was zu tun ist:
der unangenehmste Fall: Konsignationslager, Lieferantenbevorratung oder Fertigung auf Abruf
so klein wie vertretbar, dafür kurze Wiederbeschaffungszeit sichern
BX / BY: mittlerer Wert
Standardverfahren, regelmäßige Bestellrhythmen
maßvoll, nach fester Regel
BZ: mittlerer Wert, unplanbar
größere Lose, dafür seltener bestellen
Sicherheitsbestand einplanen
CX / CY: günstig
Sammelbestellungen, Rahmenaufträge, wenig Aufwand
großzügig, Zweibehälterprinzip
CZ: günstig, unplanbar
Jahresbedarf auf einmal bestellen
großzügig bevorraten: Bestand ist hier billiger als jede Steuerung
Die Faustregel dahinter
Der Wert bestimmt, wie viel Bestand man sich leistet. Teuer heißt knapp, günstig heißt großzügig.
Die Planbarkeit bestimmt, wie viel Steuerung sich lohnt. Gut planbar heißt bedarfsgenau, unplanbar heißt puffern.
AX bis AY und BX sind die Kandidaten für eine bedarfsgenaue Anlieferung nach dem Just-in-time-Prinzip (siehe Lernfeld 11).
CZ, CY und BZ sind die Kandidaten für solide Lagerhaltung mit Sicherheitsbestand.
Beispiel: Ein Antriebsmotor für 900 € wird gleichmäßig zweimal wöchentlich verbaut, also ein AX-Teil: wöchentliche Anlieferung, kleiner Bestand, fester Lieferant. Eine Tüte Schrauben für 3 € wird unregelmäßig gebraucht, also ein CZ-Teil: Jahresbedarf auf einmal bestellen und ins Regal legen. Jede Stunde, die jemand mit der Disposition dieser Schrauben verbringt, kostet mehr als der gesamte Jahresbestand.
Der Wert entscheidet über die Bestandshöhe, die Planbarkeit über den Steuerungsaufwand. Erst beides zusammen ergibt die Dispositionsregel.
Übung: ABC-Analyse
Lernvideo: Übung: ABC-Analyse. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Formeln für diese Übung
Wert = Menge · PreisWert=Menge·Preis
Wertanteil in % = Wert des Artikels : Gesamtwert · 100 %Wertanteil in %=Wert des Artikels·100 %Gesamtwert
Mengenanteil in % = Menge des Artikels : Gesamtmenge · 100 %Mengenanteil in %=Menge des Artikels·100 %Gesamtmenge
kumulierte Anteile = Wert- bzw. Mengenanteile von oben nach unten aufaddiertkumulierte Anteile=Wert- bzw. Mengenanteile von oben nach unten aufaddiert
Klassen: Artikel 10 = A, Artikel 20 und 30 = B, Artikel 40 = C
Hinweis zur Zuordnung: Artikel 10 überschreitet mit 70,2 % knapp die A-Grenze von 70 %. Er bleibt A, weil die Grenze innerhalb seines Anteils liegt. Ein Artikel wird nicht geteilt. Ebenso gehört Artikel 30 zu B, weil die B-Grenze von 90 % innerhalb seines Anteils (87,7 % bis 96,5 %) liegt.
Ergebnis: Ein Artikel mit 2,4 % der Menge bindet über 70 % des Werts.
Zusatzfrage: Artikel 40 wird unregelmäßig und in Schüben verbraucht, sein Fehlen stoppt aber die Endmontage. Wie behandeln Sie ihn?
Lösung: Nach Wert ist er ein C-Gut, nach Verbrauch ein Z-Gut. Wegen der Folgen eines Fehlbestands bekommt er trotzdem einen großzügigen Sicherheitsbestand: Bei 0,50 € je Stück kostet das kaum etwas, ein Montagestillstand dagegen viel.
Erst rechnen, dann einteilen und bei kritischen Artikeln das Ergebnis mit dem Kopf prüfen.
Lieferbereitschaftsgrad
Lernvideo: Lieferbereitschaftsgrad. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
„Wir sind eigentlich immer lieferfähig“ ist keine Aussage, über die man verhandeln kann. Der Lieferbereitschaftsgrad macht daraus eine Zahl: Er misst, welcher Anteil der Bedarfsanforderungen ohne Verzögerung bedient werden konnte. Sind es alle, beträgt er 100 %.
Zwei Punkte sind vorher zu klären, sonst lassen sich die Zahlen zweier Monate nicht vergleichen:
Was wird gezählt? Aufträge, einzelne Positionen oder Mengen. Die drei Werte fallen unterschiedlich aus.
Was gilt als erfüllt? Sofort ab Lager, oder auch eine Lieferung innerhalb der zugesagten Frist?
Formel
Lieferbereitschaftsgrad in % = termingemäß ausgelieferte Bedarfsanforderungen : Gesamtzahl der Bedarfsanforderungen · 100Lieferbereitschaftsgrad in %=termingemäß ausgelieferte Bedarfsanforderungen·100Gesamtzahl der Bedarfsanforderungen
Kurz erklärt
Zeigt, wie viel Prozent der Anforderungen pünktlich erfüllt wurden.
100 % heißt: nie lieferunfähig, aber teuer.
Rechenbeispiel: Von 5 000 Anforderungen eines Monats konnten 4 860 sofort und termingerecht bedient werden.
Die restlichen 140 Anforderungen führen zu Nachlieferungen, Eilfrachten oder verlorenen Aufträgen.
Der Preis der letzten Prozente
Von 95 % auf 97 % zu kommen, ist meist günstig. Die letzten Prozente bis 100 % kosten überproportional viel, weil dafür auch die seltensten Bedarfsspitzen abgedeckt sein müssen. Deshalb legen Betriebe einen Zielwert fest, statt 100 % anzustreben.
Der Lieferbereitschaftsgrad misst, wie viele Anforderungen sofort bedient werden. Die letzten Prozente sind die teuersten.
Fehlmengenkosten
Lernvideo: Fehlmengenkosten. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Fehlt Ware, entstehen Kosten, aber fast nie im Lager, sondern in anderen Abteilungen und beim Kunden. Deshalb werden sie systematisch unterschätzt. Am besten sortiert man sie danach, wie leicht man sie zu sehen bekommt.
Stufe 1: steht auf einer Rechnung
Zusätzliche Kosten, die durch die Fehlmenge ausgelöst werden und sich belegen lassen:
Eilfracht oder Sonderfahrt, um doch noch zu liefern
Mehraufwand in anderen Bereichen: Umstellung des Produktionsprogramms, Rüstvorgang zusätzlich, Nachbearbeitung im Versand
Konventionalstrafen und Schadenersatz nach Vertrag
Stufe 2: steht in der eigenen Rechnung (als geringerer Betrag)
Hier sinkt nicht der Kostenblock, sondern der Erlös:
Preisnachlass, den der Kunde für die Verspätung durchsetzt
entgangener Erlös, wenn eine Sonderanfertigung gar nicht mehr abgenommen wird
Teillieferung statt Vollauftrag (die zusätzliche Fracht für den Rest zählt zu Stufe 1)
Stufe 3: steht nirgends
Die teuerste Gruppe, weil sie in keinem Beleg auftaucht. Es sind die entgangenen Deckungsbeiträge:
direkt: Der Kunde deckt sich diesmal beim Wettbewerb ein. Der Umsatz fehlt, der Deckungsbeitrag auch.
indirekt: Er bleibt beim Wettbewerb, empfiehlt ihn weiter oder nimmt den eigenen Betrieb bei der nächsten Ausschreibung nicht mehr auf.
Weil Stufe 3 in keiner Auswertung erscheint, wirkt eine Bestandssenkung auf dem Papier oft günstiger, als sie ist. Wer über Sicherheitsbestände diskutiert, sollte diese Stufe wenigstens grob schätzen: lieber eine begründete Schätzung als eine unausgesprochene Null.
Alle drei Stufen gehören dazu, auch die unsichtbare.
Der entgangene Deckungsbeitrag ist der Gewinnanteil des verlorenen Auftrags, nicht sein Umsatz.
Rechenbeispiel: Eine Fehlmenge führt zu einer Eilfracht über 450 €, einem Preisnachlass von 3 % auf einen Auftrag über 12 000 € und dem Verlust eines Folgeauftrags über 2 800 € bei einem Deckungsbeitrag von 25 %.
Als Kosten sichtbar wären davon nur 450 €. Die übrigen 1 060 € tauchen nirgends als Kostenposition auf, und genau deshalb erscheint der eingesparte Sicherheitsbestand in der Auswertung als Erfolg.
Fehlmengen kosten auf drei Stufen: auf einer Rechnung, im geschmälerten Erlös und im entgangenen Deckungsbeitrag. Die dritte Stufe ist die teuerste und die unsichtbarste.
Der optimale Lagerbestand
Lernvideo: Der optimale Lagerbestand. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Zwei Kostenarten reagieren auf dieselbe Stellschraube (die angestrebte Lieferbereitschaft), aber in entgegengesetzter Richtung:
Wird die Lieferbereitschaft erhöht …
Wirkung
Lagerkosten des Sicherheitsbestands
steigen, und zwar überproportional (die letzten Prozente verlangen die größten Puffer)
Fehlmengenkosten
sinken, weil seltener etwas fehlt
Summe aus beidem
fällt zunächst, erreicht einen Tiefpunkt und steigt danach wieder
Deshalb lässt sich keine der beiden Kostenarten allein minimieren. Der optimale Lagerbestand ist genau der, bei dem die Summe am niedrigsten liegt, und nicht der niedrigste oder der sicherste Bestand.
Rechnerisch findet man ihn, indem man mehrere Zielwerte durchrechnet und vergleicht. Genau das macht das folgende Beispiel.
Rechenbeispiel: Ein Betrieb vergleicht drei Zielwerte für die Lieferbereitschaft.
Das Optimum liegt bei 95 %. Mehr Lieferbereitschaft würde teurer, als sie einbringt.
Wo der Tiefpunkt liegt, hängt vom Betrieb ab. Sind die Fehlmengenkosten hoch (etwa weil ein fehlendes Teil eine Produktionslinie stoppt), wandert er weit nach oben in Richtung 99 %. Sind sie niedrig, weil der Kunde problemlos ein paar Tage wartet, liegt er deutlich tiefer. Übernimmt man den Zielwert eines anderen Betriebs, übernimmt man dessen Kostenstruktur mit.
Weder der niedrigste noch der sicherste Bestand ist optimal, sondern der mit der kleinsten Summe aus Lager- und Fehlmengenkosten.
Optimaler Bestand über Meldebestand und Bestellmenge
Lernvideo: Optimaler Bestand über Meldebestand und Bestellmenge. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Den optimalen Bestand kann man nicht nur über Kostenvergleiche suchen, sondern auch aus dem Verlauf des Bestands über die Zeit ableiten. Dazu genügen zwei Punkte in diesem Verlauf.
Der tiefste Punkt
Kurz bevor eine Lieferung eintrifft, ist der Bestand am niedrigsten. Im Idealfall ist er genau bis auf den Mindestbestand gesunken, also den Puffer, der für Lieferverzug und Mehrverbrauch reserviert ist. Damit das gelingt, muss rechtzeitig bestellt werden, und zwar beim Meldebestand. Der deckt den Verbrauch während der Lieferzeit und lässt den Mindestbestand unangetastet.
Der höchste Punkt
Unmittelbar nach der Lieferung ist der Bestand am höchsten: Mindestbestand plus die gelieferte Menge. War die gelieferte Menge die optimale Bestellmenge (also die mit der niedrigsten Summe aus Lager- und Bestellkosten), dann ist auch dieser Höchststand optimal.
Fällt der Bestand auf 1 580 Stück, wird bestellt. Bis zur Lieferung werden noch 1 080 Stück verbraucht, es bleiben 500 Stück als Puffer.
Die Berechnung der optimalen Bestellmenge selbst gehört zu Lernfeld 11 „Güter beschaffen“.
Beim Meldebestand wird bestellt, damit die Ware rechtzeitig vor dem Mindestbestand kommt. Nach der Lieferung liegt der Bestand höchstens bei Mindestbestand plus Bestellmenge.
Bestände senken, ohne lieferunfähig zu werden
Lernvideo: Bestände senken, ohne lieferunfähig zu werden. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Bevor ein Lager erweitert wird, lohnt der Blick auf die Bestände. Häufig steckt die gesuchte Fläche im Regal statt im Bauplan.
Ansatzpunkte
Ladenhüter aufspüren: Artikel ohne Bewegung in den letzten zwölf Monaten abverkaufen oder auslisten
Lieferzeiten verkürzen: Je kürzer die Lieferzeit, desto kleiner der Meldebestand und, wenn er das Lieferzeitrisiko abdeckt, auch der Sicherheitsbestand
häufiger in kleineren Mengen bestellen, wo die Bestellkosten das zulassen
Sicherheitsbestände neu rechnen statt fortzuschreiben (oft stammen sie aus einer Zeit mit anderen Absatzzahlen)
Sortiment bereinigen: drei ähnliche Varianten binden dreimal Sicherheitsbestand
Lieferantenbestände nutzen: Konsignationslager oder Abrufaufträge
Weniger Bestand spart jedes Jahr Lagerhaltungskosten.
Der Satz zeigt, wie viel Prozent vom Bestandswert das sind.
Rechenbeispiel: Ein Betrieb listet 180 Ladenhüter mit einem Bestandswert von 96 000 € aus. Der Lagerhaltungskostensatz beträgt 20 % im Jahr.
Ersparnis = 96 000 € · 0,20 = 19 200 € im Jahr
Dazu kommen 210 freie Palettenplätze, die keine neue Halle brauchen.
Erst Bestände prüfen, dann über Fläche reden. Ausgelistete Ladenhüter schaffen Platz und senken laufende Kosten.
Eigenlagerung oder Fremdlagerung?
Lernvideo: Eigenlagerung oder Fremdlagerung?. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Wenn ein Lager zu klein wird, ist der Neubau die teuerste und unumkehrbarste Lösung. Sinnvoll ist deshalb eine Reihenfolge vom Billigsten zum Teuersten: Jede Stufe wird erst dann verlassen, wenn sie ausgeschöpft ist.
Vier Stufen vor der Bauentscheidung
Stufe
Frage
Aufwand
1. Bestand
Ist der vorhandene Bestand in dieser Höhe überhaupt nötig? Ladenhüter, doppelte Varianten, überholte Sicherheitsbestände?
keiner (spart sogar Geld)
2. Sortiment
Lassen sich Artikel auslisten oder direkt vom Lieferanten zum Kunden liefern?
Entscheidung, keine Investition
3. Technik
Lässt sich die Kapazität im Bestandsgebäude erhöhen (Höhe besser nutzen, Verschieberegale, Umlaufregale, chaotische Lagerung)?
mittlere Investition, kein Grundstück
4. Fläche
Wird zusätzliche Fläche das ganze Jahr gebraucht oder nur zeitweise, etwa in der Saison?
entscheidet zwischen Miete, Fremdlagerung und Neubau
Stufe 4 ist die eigentliche Weichenstellung. Wird die Fläche nur in Spitzenzeiten gebraucht, wäre eine eigene Halle den Rest des Jahres bezahlter Leerstand. Dann kommt Fremdlagerung infrage.
Fremdlagerung ist keine einzelne Entscheidung
„Fremdlagerung“ kann sehr Unterschiedliches bedeuten. Sinnvoll ist es, sie als Leiter der Leistungstiefe zu lesen. Jede Stufe gibt mehr ab und bindet stärker:
Stufe
Der Dienstleister stellt …
Der Betrieb behält …
Fläche
nur Raum, abgerechnet je m² oder Palettenplatz
Personal, Technik, alle Abläufe
Fläche und Handling
zusätzlich Ein- und Auslagerung, oft Kommissionierung und Versand
Ab der zweiten Stufe ist das Outsourcing (siehe Outsourcing logistischer Funktionen). Werden mehrere Leistungen über mehrere Jahre gebündelt vergeben, spricht man von Kontraktlogistik, das ist oft schon ab der zweiten Stufe der Fall. Die Grenze verläuft nicht am Leistungsumfang allein, sondern daran, wie schwer eine Rückkehr ins eigene Haus noch fällt.
Die rechtliche Seite (Lagervertrag, Lagerschein, Haftung des Lagerhalters und was bei seiner Insolvenz mit der Ware passiert) steht in Lernfeld 2.
Der Unterschied in der Kostenstruktur
Eigenlagerung
Fremdlagerung
Kostenverlauf
hohe Fixkosten, niedrige Kosten je zusätzlicher Einheit
kaum Fixkosten, Kosten steigen mit jeder Einheit
bei geringer Auslastung
teuer (die Fixkosten laufen weiter)
günstig (es wird nur gezahlt, was genutzt wird)
bei hoher Auslastung
günstig (die Fixkosten verteilen sich)
teuer (jede Einheit kostet denselben Satz)
Zugriff
jederzeit, eigenes Personal
zu den Zeiten des Dienstleisters
Anpassung an Schwankungen
träge
kurzfristig zubuchbar
Weil die eine Lösung mit Fixkosten und die andere praktisch ohne arbeitet, gibt es genau einen Punkt, an dem beide gleich teuer sind. Er lässt sich ausrechnen. Das ist der Kostenvergleich im übernächsten Beitrag.
Erst Bestand, Sortiment und Regaltechnik prüfen, dann über Fläche reden. Fremdlagerung lohnt vor allem bei schwankendem oder zeitlich begrenztem Platzbedarf.
Fixe und variable Kosten
Lernvideo: Fixe und variable Kosten. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Ob eine Kostenart fix oder variabel ist, lässt sich mit einer einzigen Prüffrage klären:
Prüffrage: Wenn der Betrieb eine Woche lang nichts bewegt, fällt diese Kostenart trotzdem an?
Ja → fixe Kosten. Sie hängen nicht an der Leistung, sondern an der Bereitschaft, sie erbringen zu können: Abschreibung der Halle, Miete, Versicherung.
Nein → variable Kosten. Sie entstehen erst mit der Leistung und steigen mit ihr: Verpackungsmaterial, Strom für die Fördertechnik, Entgelt je eingelagerter Palette.
Vorsicht bei Mischformen: Ein Stromvertrag mit Grundpreis und Arbeitspreis enthält beides. In der Praxis werden solche Kostenarten aufgeteilt, sonst stimmt die Vergleichsrechnung nicht.
fix im Lager
variabel im Lager
Abschreibung von Halle und Regalen
Strom für Fördertechnik und Ladegeräte
Miete oder Pacht
Verpackungsmaterial
Versicherungen
Löhne von Aushilfen und Zeitarbeit
Grundgehälter der Stammbelegschaft
Entgelt je eingelagerter Palette beim Lagerhalter
Für Entscheidungen ist die Trennung entscheidend: Fixkosten laufen weiter, auch wenn das Lager halb leer steht. Wer viel fix baut, braucht dauerhafte Auslastung.
Beispiel: Ein eigenes Lager kostet im Jahr 52 800 € fix. Werden statt 1 500 m² nur 700 m² genutzt, sinken die variablen Kosten. Die 52 800 € bleiben. Je Quadratmeter wird die Lagerung damit deutlich teurer.
Fixkosten laufen unabhängig von der Leistung weiter, variable Kosten steigen mit ihr. Das entscheidet über Eigen- oder Fremdlagerung.
Kostenvergleich: ab welcher Fläche lohnt das eigene Lager?
Lernvideo: Kostenvergleich: ab welcher Fläche lohnt das eigene Lager?. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Die Frage lautet: Bei welcher Fläche sind die Kosten beider Möglichkeiten gleich hoch? Darunter ist die eine Lösung günstiger, darüber die andere.
Die drei Kostenbegriffe
In Prüfungsaufgaben und Schaubildern tauchen dafür meist drei Kürzel auf:
Kürzel
Bedeutung
im Diagramm
KF
Fixkosten: fallen unabhängig von der genutzten Fläche an
waagerechte Linie, Startpunkt der Eigenlagerungsgeraden
KV
variable Kosten: steigen mit jedem zusätzlichen Quadratmeter
der Abstand zwischen KF und der Gesamtkostengeraden
KG
Gesamtkosten, also KF + KV
die Gerade selbst (für jede Lösung eine)
Bei der Fremdlagerung ist KF in der Regel null: Es wird nur bezahlt, was genutzt wird. Ihre Gerade startet deshalb im Nullpunkt und steigt steiler.
Formeln
Kosten Fremdlager = Fläche · Preis je m² und JahrKosten Fremdlager=Fläche·Preis je m² und Jahr
Kosten Eigenlager = Fixkosten + Fläche · variable Kosten je m² und JahrKosten Eigenlager=Fixkosten+Fläche·variable Kosten je m² und Jahr
kritische Fläche = Fixkosten : (Preis Fremdlager je m² − variable Kosten je m²)kritische Fläche=FixkostenPreis Fremdlager je m²−variable Kosten je m²
Monatspreise erst mit 12 auf das Jahr umrechnen.
Kurz erklärt
Das eigene Lager hat hohe Fixkosten, das Fremdlager nur Kosten je Fläche.
Die kritische Fläche ist der Punkt, an dem beide gleich teuer sind.
Beispiel: Ein Betrieb will sein Reifenlager auslagern. Ein Lagerhalter in der Nähe verlangt 9,50 € je m² im Monat. Alternativ kann das eigene Lager erweitert werden: Fixkosten 52 800 € im Jahr, variable Kosten 70,00 € je m² im Jahr.
Schritt 1: Fremdlagerung auf das Jahr umrechnen
9,50 € · 12 = 114,00 € je m² im Jahr
Schritt 2: Gleichung aufstellen (x = Fläche in m²)
114 x = 52 800 + 70 x
114 x − 70 x = 52 800
44 x = 52 800
x = 1 200 m²
Ergebnis: Bei 1 200 m² kosten beide Lösungen gleich viel, nämlich 136 800 € im Jahr. Wird mehr Fläche gebraucht, lohnt das eigene Lager. Wird weniger gebraucht, ist die Fremdlagerung günstiger.
Grafisch sind das zwei Geraden: Die Fremdlagerung startet im Nullpunkt und steigt steiler, die Eigenlagerung startet oben bei den Fixkosten und steigt flacher. Der Schnittpunkt ist die gesuchte Fläche.
Dieselbe Rechnung, anderer Bezug
Der Vergleich funktioniert nicht nur mit der Fläche. In Lernfeld 2 wird er mit der Palettenzahl gerechnet und heißt dort kritische Menge. Rechenweg und Aussage sind identisch, nur die Bezugsgröße wechselt:
Bezugsgröße
Ergebnis heißt
hier
Quadratmeter
kritische Fläche
Lernfeld 2
Paletten oder Stück
kritische Menge
In der Prüfung entscheidet die Aufgabenstellung, welche Größe gemeint ist. Wer die Methode einmal verstanden hat, erkennt beide Formen wieder.
Woran die Rechnung scheitern kann
Verschiedene Zeiträume: Monatspreis gegen Jahreskosten, der häufigste Fehler in Prüfungsaufgaben.
Vergessene Fixkosten: Zum eigenen Lager gehören auch Versicherung, Instandhaltung, Heizung und die Grundvergütung der Stammbelegschaft.
Vergessene Zusatzkosten der Fremdlagerung: Ein- und Auslagerungsentgelte, Handling je Palette und die zusätzlichen Transporte zwischen beiden Standorten stehen selten im Quadratmeterpreis.
Der Wert gilt nur für diese Zahlen. Ändert der Lagerhalter seinen Satz, verschiebt sich die kritische Fläche sofort.
Kosten gleichsetzen, nach der Fläche auflösen: Über dem Schnittpunkt lohnt das eigene Lager, darunter die Fremdlagerung.
Nicht nur die Kosten entscheiden
Lernvideo: Nicht nur die Kosten entscheiden. Mit ▶ starten, über „Kapitel“ springen.
Der Kostenvergleich liefert eine Zahl, aber keine fertige Entscheidung. Danebenstehen Argumente, die sich schlechter rechnen lassen:
für Fremdlagerung
gegen Fremdlagerung
Kapazität lässt sich kurzfristig anpassen
Abhängigkeit vom Lagerhalter
kein eigenes Kapital für Halle und Technik
zusätzliche Transporte zwischen den Standorten
Spezialwissen des Dienstleisters, etwa für Gefahrstoffe
längere Reaktionszeit bei kurzfristigem Bedarf
Personalspitzen sind sein Problem
Bestandsdaten und Kundendaten liegen außer Haus
Besonders wichtig ist die Entfernung: Liegt das Fremdlager weit von der eigenen Fertigung oder Kommissionierung entfernt, fressen Transporte und Wartezeiten die Ersparnis schnell auf.
Beispiel: Zwei Angebote für die Auslagerung des Reifenlagers liegen preislich gleichauf. Das eine Lager liegt 4 km entfernt, das andere 60 km. Bei täglichem Abruf ist die Entscheidung trotz gleicher Miete eindeutig, und wer nur die Miete verglichen hätte, hätte sie falsch getroffen.
Der Kostenvergleich ist die halbe Entscheidung. Entfernung, Flexibilität und Abhängigkeit gehören in die andere Hälfte.
Übung: Bestände und Lagerentscheidung
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Formeln für diese Übung
Lieferbereitschaftsgrad in % = termingemäß bediente Anforderungen : alle Anforderungen · 100Lieferbereitschaftsgrad in %=termingemäß bediente Anforderungen·100alle Anforderungen
kritische Fläche = Fixkosten : (Preis Fremdlager je m² − variable Kosten je m²)kritische Fläche=FixkostenPreis Fremdlager je m²−variable Kosten je m²
Kurz erklärt
Lieferbereitschaft, Meldebestand und kritische Fläche: drei Werkzeuge für die Bestandsentscheidung.
Der optimale Lagerbestand meint hier den Höchstbestand direkt nach dem Wareneingang bei optimaler Bestellmenge, nicht den Bestand mit den geringsten Gesamtkosten.
Immer erst die passende Formel wählen, dann einsetzen.
Aufgabe 1: Von 3 400 Bedarfsanforderungen konnten 3 264 termingerecht bedient werden. Berechnen Sie den Lieferbereitschaftsgrad.
Aufgabe 3: Fremdlagerung kostet 8,00 € je m² und Monat. Das eigene Lager verursacht 43 200 € Fixkosten im Jahr und 60,00 € je m² und Jahr. Ab welcher Fläche lohnt die Eigenlagerung? Prüfen Sie außerdem, welche Lösung bei 900 m² günstiger ist.
Lösung:
Fremdlagerung je Jahr = 8,00 € · 12 = 96,00 € je m²
Bei 900 m² ist die Fremdlagerung um 10 800 € günstiger. Erst ab 1 200 m² lohnt das eigene Lager.
Aufgabe 4: Nennen Sie drei Argumente, die gegen eine Fremdlagerung sprechen können, obwohl sie rechnerisch günstiger ist.
Lösung: Abhängigkeit vom Dienstleister, zusätzliche Transporte und längere Reaktionszeiten bei kurzfristigem Bedarf, Bestands- und Kundendaten außer Haus. Ebenso möglich: Verlust von eigenem Know-how und Personalfragen im eigenen Betrieb.
Erst rechnen, dann die weichen Faktoren prüfen. Die Zahl allein entscheidet selten.